Freitag, 24. September 2010

Unendliche Weiten

Ich habe mich früher schon immer gewundert, was so viele Menschen an die Ostseite des ehemaligen Flughafens Tempelhof getrieben hat. Da standen immer sehr viele Passanten auf dem Radweg in der Oderstraße in Neukölln und haben auf das Flugplatzgelände gestarrt, ohne dort irgendwelche Aktivitäten wie startende oder landende Flugzeuge beobachten zu können. Bis mir jemand dieses Phänomen erklärt hat. Die entspannen die Augen. Als Großstädter hat man selten mal so ein richtig freies Blickfeld. Irgendwo ist immer was im Weg. Häuser, Fabriken, im Park die Bäume. Ob bewusst oder unbewusst, die haben versucht, sowas ähnliches wie "Horizont zu sehen".
Nach der Schließung des Flughafens und einigen Querelen um die Öffnung des Geländes für die Bevölkerung, ist es jetzt nicht mehr nötig, sich an den Zäunen entlang des ca. 300 ha (Die Angaben gehen hier auseinander, im Park selbst steht 380 ha. Zum Vergleich, der bisher größte Park Berlins, der Tiergarten ist nur 210 ha groß.) großen Flugplatzgeländes herumzutreiben. Ohne jetzt auf die näheren Umstände einer längerfristigen Planung und Gestaltung dort eingehen zu wollen - ich war gestern zum ersten Mal dort. Und habe natürlich ein paar Bilder mitgebracht.

Keine spektakulären Fotos - Einfach Augen "entspannen"

Ein seltsames, aber mir bekannt vorkommendes Gefühl hatte ich da gestern. Aber woher kenne ich es? Dann fiel es mir wieder ein. So ähnlich ging es mir, als ich zum ersten Mal eine Wattwanderung machte. Nichts als der Untergrund, auf dem man geht und als Schnittkante der Himmel.
Und der Park wird sehr gut angenommen. Radfahrer, Jogger, Skater, Softballspieler, Spaziergänger, alle tummeln sich dort, ohne dass man das Gefühl hat, irgendjemandem im Weg zu sein. Ein urbaner Park, darf man das so sagen?
Ich bin dafür, dass das genauso bleibt, wie es jetzt ist!

Kommentare:

  1. Kannst du nun ein wenig nachvollziehen, warum ich da wohne, wo ich wohne? Adlerhorst (naja, relativ) mit Fernblick vorn - über leere Industriebrache auf Spree - und hinten - über die Gartenbäume und Nachbardächer eine Art Horizont....

    Im Park war ich vergangenes WE zum Skaten. Ich finde auch, er ist gut so. Muss memsch nix dran rum"hübschen" ...will sagen...rumkommerzen.

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  2. Ob das jetzt ernsthaft sinnvoll ist, sei mal dahin gestellt, aber ich hab neulich eine Seite (kurz nachguck...)

    http://www.tempelhofersee.de/flaechen.html

    gesehen, die ich von der Idee her auch sehr sehr reizvoll finde. Keine Ahnung, ob das machbar ist, aber irgendwie geil fänd ich es schon :)

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  3. Ja, der See wäre sicher auch klasse. Aber dann wär wieder wenig Platz, so dass die Leute sich doch wieder auf die Füße treten. Ich denke auch wie Klaus: Einfach so lassen wie's ist.
    Irgendwann würde sich dann sogar wieder die Natur unter dem Beton durchsetzen und die Landebahnen aufsprengen.

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