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Dienstag, 24. Juni 2014

Alte Petze

Es ist schon 2 - 3 Wochen her, als mich auf Höhe des Jakob-Kaiser-Hauses ein Fahrgast ranwinkte. Der Ausgang an der Wilhelmstraße des  Jakob-Kaiser-Hauses ist ein Ort, an dem Politker sich unters normale Volk mischen. Ungeschützt, keine dicken Mauern, keine  Einlasskontrollen und sonstige Barrieren.

Ich habe ihn sofort erkannt und ihn auch darauf hingewiesen, dass ich keine Politikerbeförderungsrechte (Ein Bundestagsfahrer bin ich nicht.) habe und er auch nicht mit Coupon oder auf Rechnung bezahlen könne.

"Egal jetzt. Ich muss dringend zum Flughafen."

sagte der allseits bekannte Politiker.

Er erledigte noch ein Telefonat mit seiner Fahrbereitschaft um Bescheid zu sagen und widmete sich anschließend meiner Person. Sozusagen eine Vorwärtsverteidigung, bevor der Taxifahrer noch versucht sich mit ihm über Politik zu unterhalten. Das hatte ja die FDP, als es sie noch gab, so heftig bemängelt.

Mit der Begründung, er sei in seiner Fraktion für das Gesundheitswesen tätig, befragte er mich zu meinem Gesundheitszustand.
Ja, hoher Blutdruck und auch leichtes Übergewicht seien ein Herzinfarktsrisiko. Und vor allem das Rauchen. Ob ich mich schon mal mit der E-Zigarette auseinander gesetzt hätte? (Das werde ich tatsächlich mal probieren. Hatte ich aber vorher schon auf dem Plan.) Blablabla. Nichts Neues also.

Ich behaupte aber, ER soll ein bisschen auf seinen Blutdruck achten. Es war Freitagnachmittag und wie immer ging es sehr langsam und zäh voran auf dem Weg nach TXL. Meine Versicherungen, ausreichend Zeit zu haben, interessierten ihn anscheind nicht. Er rutschte sehr unruhig auf seinem Sitz hin und her und bei jeder roten Ampel kam ein genervter Seufzer. Während ich als Herzinfarktgefährdeter sogar diese extreme Verkehrsdichte sehr gelassen hinnahm. Ehrlich gesagt, diese meine Ruhe erstaunt mich immer wieder selbst. Ich muss zwar keinen Flug erreichen, aber Fahrgäste, die es eilig haben, können einen schon ganz schön nervös machen.

Und, was soll ich sagen. 15 Minuten vor seiner Last Boarding Time setzte ich ihn an seinem Gate ab.

"Das haben Sie sehr gut hingekriegt."

Soweit die Vorgeschichte.
Letzten Freitag um eine ähnliche Zeit fuhr ich nun einen Geschäftsmann zum Flughafen. Ein Mann, der das seit Jahren macht und dem die Verkehrssituation bekannt war. Ich beruhigte ihn, weil auch er spät dran war und erzählte ihm die Geschichte mit dem Politiker. Und erwähnte auch seinen Namen.

"Hahaha, das war ein Klassenkamerad von mir. Das war der unbeliebteste Schüler der ganzen Klasse. Der ließ nicht mal jemanden abschreiben. Eine Petze vor dem Herrn. Herr Lehrer, Herr Lehrer..."

Habe ich eigentlich schon mal erwähnt, wie sehr ich Petzer, Anscheisser und Indiskretionen verachte?
So, nun habe ich also auch mal eine Petze verpetzt. Schlimm? Nö, denke ich, der Mann ist Politiker und muss das abkönnen.
Und wieder hat sich ein Kreis geschlossen.


(Den Namen des Politikers gebe ich mit Absicht nicht preis, denn ob er in der Schule eine Petze gewesen ist, kann ich nicht beweisen, da meine Information nur auf  Hörensagen beruht.)


Montag, 16. Juni 2014

BTN

Dem überwiegenden Teil meiner Leser wird bei einer TV-Serie namens "Berlin Tag und Nacht" ein Fragezeichen auf den Stirnfalten geschrieben sein. Diese haben sich wohl auch in mein Gesicht gelegt, als mich das Ehepaar mit seinen zwei Kindern ansprach. Das ältere der beiden Kinder suchte aus einem ganzen Stapel von Zetteln eine Adresse heraus: Stralauer Allee 6-7. Dort würde sich das Hausboot der WG aus der Fernsehserie Berlin Tag und Nacht befinden. Und im Wasser dahinter seien so ein paar Figuren.

Okay, die Adresse war ja nun nicht das Problem, aber eine TV-Serie mit diesem Namen?
Die ganze Truppe war unterwegs, um Drehorte, deren Adressen sie sich im Internet zusammengesucht hatten, zu dieser Serie abzuklappern.

Hausboot im Osthafen? Ja, wir haben es gefunden. 
Wie man sieht, waren wir nicht die einzigen Besucher dort. Es fand ein regelrechter Drehorte-Tourismus statt, der auch zum Austausch von weiteren Adressen genutzt wurde. Das hatten aber meine Fahrgäste gar nicht nötig, die engagierte Tochter hielt schon die nächste Adresse bereit.
Disco Matrix, am Warschauer Platz, ob ich die kennen würde?  Irgendein Basti würde dort verkehren.
Vielen Dank an das Ehepaar aus dem Raum Nürnberg für diese tolle Tour
Ja natürlich kenne ich diese Discothek, schon alleine daher, um einen Riesenbogen am frühen Morgen darum zu fahren, da sich dort ganz übliches, meist volltrunkenes Taxi-Publikum herumtreibt, das man einfach nicht im Auto haben möchte. 

Zwei bis zweieinhalb Stunden lang haben wir Drehorte in Berlin abgeklappert und das eine oder andere Mal konnte ich als BTN-Laie durch Ortskenntnis und logisches Denken meinen Teil dazu beitragen, dass wir auch die Wohnung in der Skalitzer Straße und das Tattoostudio am Alex noch gefunden haben.

Ich liebe Touren, bei denen ich auch noch was lernen kann. Ganz im Ernst, das hat eine Menge Spaß gemacht und ich fühle mich nun fit, weitere BTN-Fans zu einigen Drehorten zu bringen. ;-)

Schon am nächsten Tag fuhr ich Fahrgäste aus der Schweiz zum Flughafen und erzählte von dieser Tour. Eine der anwesenden Damen wurde ganz unruhig, als ich das mit dem Tattoostudio erzählte. Sie wollte meine Telefonnummer, um bei dem demnächst anstehenden erneuten Berlin Besuch mich buchen zu können.
Aber nein, ich mache keine neue Geschäftsidee daraus.
Dazu müsste ich auf meinem Fernseher nachschauen, ob ich dieses sogenannte RTL 2 überhaupt empfangen kann und es auch ein paar Mal anschauen. Soweit geht mein Interesse aber nicht.


Dienstag, 27. Mai 2014

Von Berlin nach Berlin

Ich fuhr ein amerikanisches Ehepaar nach Tegel zum Fliegerhafen.
Er sprach ganz passabel Deutsch und auf meine Frage, wo er dies gelernt hätte, antwortete er:

"In Bamberg, Böblingen, Heidelberg..."

Aha, war er wohl nach dem 2. Weltkrieg in Deutschland stationiert.

"Und wo leben Sie in den Staaten?"

fragte ich nach.

"In Berlin."

laange Kunstpause.

"Maryland"

und sein jetziges Bestreben sei eine Städtepartnerschaft zu Berlin (Germany)

Ookaayy, why not?


Mittwoch, 14. Mai 2014

Upgedateter Taxifahrer

Ich war an diesem Tag nicht besonders gesprächig, das kommt auch mal vor. Vor allem ist es auch von der Tagesform abhängig, ob ich Lust habe in Englisch, der einzigen Fremdsprache, die ich einigermaßen beherrsche, zu kommunizieren.

So kam es, dass ich mit den 3 Damen, die ich zum Flughafen Schönefeld transportierte, kaum redete. Sie unterhielten sich untereinander in einer mir unbekannten Sprache. Und ehrlich gesagt, ich habe auch gar nicht weiter zugehört. Nur einmal, als ich sie auf eine Sehenswürdigkeit am Rande der Strecke hinwies, zeigte sich, dass ihr Englisch ziemlich gut war. Wahrscheinlich sogar besser als das Meinige.

Erst ganz zum Schluss stellte mir eine der Damen (die älteste) noch eine Frage in Englisch. Und den folgenden Dialog muss ich nun auch in Englisch wiedergeben:

"The Capital-City of Germany is Bonn, right?"

"No, it is here in Berlin. Since 1990 or 91."

"Oh sorry, I'm living in the past. I'm not updated."

Wir fuhren vor am Flughafen und ich fragte routinemäßig, ob sie mit Easy Jet fliegen würden, denn dann könnte ich bis nach vorne durchfahren, damit sie möglichst wenig Fußweg haben.

"No, with El Al."

Jetzt wachte ich doch noch auf. Israel interessiert mich ja seit unserem Urlaub 2011 ungemein und das dürfte auch nicht mein letzter Aufenthalt dort gewesen sein. Und diese unbekannte Sprache war also hebräisch. Normalerweise erkenne ich das, aber es war halt nicht mein Tag.
Natürlich erwähnte ich nun meinen Urlaub in ihrem Land, aber wir waren schon am Koffer ausladen, so dass nur noch ein kurzes Gespräch möglich war.

"Oh, did you like Israel?"

"Very much. Above all, I loved Tel Aviv. I think, it is a lttle bit similar to Berlin, but you have this nice Swimmingpool near by."

"Oh yes, Tel Aviv is the best. We are from there."

"Oh, I heard there is new district with a lot of restaurants, bars, cafes. I forgot the name."

"Do you mean Sarona?"

"Yes, that was the name."

Sie kriegten alle drei ganz große Augen. Das Viertel ist tatsächlich so was von neu.

"Oh, YOU are updated."

Natürlich habe ich ihnen nicht verraten, wo ich mein Update herhabe. Sollen sie doch ruhig in Israel von upgedateten Berliner Taxifahrern schwärmen.


Montag, 12. Mai 2014

Stein im Brett

(Es ist mir bewusst, dass ein Großteil meiner Leser mit Sport bzw Fußball nicht viel am Hut hat. Aber es gehört schon zu den Grundtätigkeiten eines Taxifahrers, Fußballfans durch die Stadt oder ins Stadion zu bringen. Auch die Auswärtigen. Also:)

Am Samstag war die Innenstadt schwarz-gelb. Der BVB (Dortmund) war zu Gast bei Hertha.

Die Dortmunder übten augenscheinlich schon für den nächsten Samstag. Da sind sie ja schon wieder hier.
Gleichzeitig war die wichtigste Ost-West-Verbindung, die Straße des 17. Juni, wegen eines Frauenlaufes gesperrt. Halleluja, ihr Berliner Verkehrsplaner. Zusätzlich gab es eine Demo (für die Energiewende und gegen Atomkraftwerke - auch viel schwarz gelb), so dass genau in diesem Bereich auch noch die Nord-Süd-Verbindung vom Hbf in die Klingelhöferstraße zeitweise gesperrt war. Das Chaos war perfekt.


Sie waren eindeutig als BVB-Fans zu erkennen und verteilten sich auf das Taxi vor mir und das Meinige.

"Schön, dass ihr hier in Berlin eure Farben nach uns ausgerichtet habt"  

und zeigte auf das Dachschild meiner Taxe.


"Bringst'e uns raus zum Stadion?"

"Na klar, wenn ihr nicht mit Dönern um euch schmeisst."

Erstmal Totenstille im Auto.

"Hey Jungs, war doch nur ein Scherz."

Das mag ich so an Ruhrpottlern. Die können auch einstecken. Die Stimmung im Auto war gut, obwohl wir zu unterschiedlichen Lagern gehören. Meine Stammleser wissen das. Aber ich bin einer der Zeitgenossen, der sich dadurch auszeichnet, Begeisterung für eine bestimmte Mannschaft zu haben, ohne alles andere niedermachen zu müssen. Und auch meine Truppe war nicht allzu fanatisch. Ich erzählte von den Freunden, zwei im Bayern-Dress, einer im schwarz-gelben Outfit, die ich beim Cupfinale 2012 in meiner Taxe zum Stadion fuhr. Das fanden sie auch Okay.

Probleme hatte ich nur mit der Kollegin, die voraus fuhr. Meine Güte, seit einer Woche ist es überall zu lesen, auf den Infotafeln der VMZ, in der Zeitung, im Verkehrsfunk kam es stündlich, die Straße des 17. Juni war an diesem Tag GESPERRT: Und was macht sie? Mittenrein ins Chaos. Ich habe mich dann von ihr getrennt und bin meinen eigenen Weg gefahren.

Etwas ins Stutzen kam ich, als einer auf der Rückbank ständig seinen Kumpels erklärte, wo wir waren, was jetzt gleich kommen wird und manchmal sogar geschichtliche Hintergründe dazu. Und alles war richtig!

"Sag mal, kommst du aus Berlin, oder hast du mal hier gewohnt? Du weißt ja besser Bescheid als so mancher Berliner Taxifahrer."

"Nein, aber mein Vater hat in Berlin studiert und wir waren jahrelang mehrmals im Jahr zu Besuch hier."

Sein Nebensitzer mischte sich ein:

"Weißte was passiert ist, als wir gestern nach Berlin reingefahren sind? Der hat vor Rührung geheult wie ein Schlosshund. Und zwar so, dass wir alle mitheulen mussten."


So sind sie also, diese Hartgesottenen. Bei mir haben jetzt aber BVB-Fans einen dicken Stein im Brett.

Und hey, ich freu mich auf nächsten Samstag.

Dienstag, 29. April 2014

Sprachtalent

Es war meine letzte Tour am Sonntagnachmittag. Ein Pärchen wollte zum Flughafen Tegel. Er, so Mitte dreissig mit 3-Tage-Bart und sie auch so seinem Alter.

Manchmal frage ich schon gleich nach Fahrtbeginn nach dem Flugziel. Istanbul sollte es sein. Die Unterhaltung wurde zuerst in Englisch geführt, was er sehr gut, wahrscheinlich besser als ich, beherrschte. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass er, Sohn türkischer Eltern, in Deutschland geboren wurde. Als er 3 Jahre alt war, ging es zurück in die Türkei, wo er bis heute lebt.

Meine Frage, ob denn etwas übrig geblieben sei von den Deutschkenntnissen, war eigentlich eher spassig gemeint. Aber siehe da, er plapperte in fast akzentfreiem Deutsch weiter, dass mir beinahe die Augen aus dem Kopf fielen. Zugegeben, das eine oder andere Wort war nicht spontan vorhanden, aber mit etwas Hilfe ging es fast fließend. Ungläubig fragte ich nach, ob er denn in der Türkei noch Deutschunterricht gehabt hätte, was er aber verneinte. Er habe lediglich in letzter Zeit angefangen in deutschen Zeitungen zu lesen. Deutschland sei ja so wichtig in der Welt. Natürlich war ich jetzt voll des Lobes, ob dieses kleinen Sprachgenies.
Ich sprach auch kurz seinen Ministerpräsidenten an und wie ich persönlich dessen Sperrungen von Twitter und Youtube beurteile. Da zeigte er mir dann, dass er auch so einige deutsche Schimpfwörter beherrscht.

Aber mal im Ernst, kann das wirklich sein, dass man als Kleinkind mit 3 Jahren schon die sprachlichen Eindrücke um sich herum so gut wahrnimmt, dass es ein leichtes ist, viel, viel später diese Sprache relativ leicht zu lernen? Oder hat er etwas geflunkert und als Heranwachsender doch noch viel Kontakt zur deutschen Sprache gehabt?

Donnerstag, 24. April 2014

Schade eigentlich

Es hätte genial werden können. Aber leider...

"Eine" wollte ich noch an diesem etwas zäh dahinfließenden Ostersonntag. Welch angenehme Überraschung: Die "Eine noch" sollte zum Flughafen gehen. Zu dem in Schönefeld!

Auf dem Rückweg zur Ablöse wählte ich den Weg über Treptow. Man weiß ja nie. Vielleicht...
Cool, auf Höhe des Treptower Parks reckten sich zwei Hände. Ich war gespannt, wo es hingehen sollte.

"Kennen Sie die Admiralbrücke in Kreuzberg?"

Ein kleines Lächeln huschte vermutlich über mein Gesicht. Ja, kenne ich. Ich wohne nämlich dort. Kurze Diskussion über die vermeintlich kürzeste Route, da hatte ich aber ganz klar einen Heimvorteil.

Unter Taxikollegen nennt man so erwas einen Heimatschuss. Eine, wie ich finde, extrem dumme Bezeichnung. Es geht hier nicht um Leben oder Tod.  Eine Verharmlosung aller Kriege dieser Welt.

Sei's drum. Dort angekommen, ein Megaparkplatz fast direkt vor meiner Wohnung. Da kann einem die Fantasie schon mal durchgehen. Eigentlich könnte ich einparken, abkassieren und Feierabend machen gleichzeitig. Aber ich musste ja das Auto noch an der Ablöse abstellen. Schade eigentlich.

Also zurückgefahren und das Taxi abgestellt. Der schöne Parkplatz vor meiner Haustür war natürlich anschließend weg.

Und nun zum eigentlichen "aber leider". Am nächsten Morgen musste ich feststellen, der Nachtfahrer war gar nicht gefahren. Das Taxi stand am Ablöseplatz, wie ich es am Vortag abgestellt hatte. Grrrr.

Mittwoch, 9. April 2014

Klaglos hingenommen

"Hier stimmt so."

Er bezahlte die 5,60 Tour mit einem Zehner.

"Und weil Sie so klaglos diese kurze Tour hingenommen haben, habe ich noch was für Sie. Wenn Sie mich hier um halb drei abholen, fahren wir zuerst nach Neukölln, holen meine Frau ab und dann geht es weiter zum Waldorf Astoria."

"Das ist halt Berufsrisiko. Der Eine will zum Flughafen, der Andere halt nur zweimal um die Ecke. Aber dafür sind wir ja auch da."

"Da habe ich aber schon ganz andere Kommentare von manch einem Ihrer Kollegen erlebt."

Normalerweise nehme ich keine persönlichen Vorbestellungen an, da man u.U. in der halben Stunde zuvor eigentlich nichts richtig Sinnvolles unternehmen kann.

Ich nahm sie trotzdem an. Und mir ist was Sinnvolles eingefallen: Ich war Kaffeetrinken.

Die Tour hat sich dann auch noch als lukrativ erwiesen, dank längerer Wartezeit. Seine Frau war unpünktlich.

Montag, 7. April 2014

War es nur ein Traum?

Zu Feierabend ließ ich mich erst mal zwicken, ob dieser Sonntag etwa nur ein Traum war...
Der kurioseste Arbeitstag meiner Laufbahn.

Zuerst - ich muss auch mal was nettes über den von mir so oft geschmähten Ostbahnhof sagen.

Gleich, kurz nach Arbeitsbeginn, schlug ich am selbigen auf, um 2 Minuten später mit einem israelischen Pärchen zum Flughafen Schönefeld durchzustarten.

"Something is wrong with the Bahn."

Keine Ahnung, was wrong with the Bahn war, aber immer wenn something wrong ist with the Bahn, ist der Ostbahnhof eine gute Anlaufstelle für einen Taxifahrer. Also nichts wie zurück.
Und haste nich gesehen, die nächste Tour ging wohin?
Jau, zwei Touren, zweimal SXF.

Ein drittes Mal konnte es nicht gut gehen ("Was kostet es zum Watergate?"). Also gut, machte ich mich rüber nach Mitte, genauer gesagt zu meiner Lieblingshalte am Pariser Platz.

"Please can you bring us to Sans Souci Castle in Potsdam?"

Puuhh.

"Of course, I can."

Wenn man die Watergate-Tour mal außer Acht lässt, mit den drei ersten Touren über 110 € Umsatz,da kann man sich nicht beklagen.

Wer jetzt denkt, ganz schön bescheidener Kilometerschnitt, hat zuerst mal Recht. Aber es kommt noch besser.

"Haben Sie eine Stunde Zeit? Ich sage links oder rechts. Wir machen eine kleine Stadtrundfahrt."

Ein Stadtführer suchte sich meine Taxe aus, um einer vornehmen Lady die Innenstadt-Ost zu zeigen.

Mehrere Stopps auf der Tour (einiges an Wartezeit) und schon sah es wieder etwas besser aus mit dem Kiloneterschnitt.

Aber auch das war noch zu toppen.

Das mit dem Umsatz sah jetzt richtig gut aus und das hat, speziell im April etwas beruhigendes.

"Was kostet es denn zum Brücke Museum?"

Auch eine ganz gute Tour, aber am gestrigen Tag überraschte mich das nicht mehr weiter.
Ein netter älterer Herr, seines Zeichens Schweizer Staatsbürger, Flieger und viel wichtiger in diesem Zusammenhang Künstler. 
Er bereitet sich momentan auf eine zweimonatige Kunstaktion im Mai dieses Jahres in Berlin vor und sieht sich zur Vorbereitung hier um, um die Stadt besser kennenzulernen. Motto der Aktion: 1 Quadratmeter. Im Moment scheint es im Netz aber noch keine Infos dazu zu geben.
Wir hatten eine interessante Unterhaltung und kurz vor dem Ziel fragte er mich nach meiner Telefonnummer, um bei Bedarf wieder mit mir fahren zu können. Das mache ich aber grundsätzlich nicht mehr, da solche Anrufe erfahrungsgemäß immer dann eintrudeln, wenn man sie überhaupt nicht gebrauchen kann. Stattdessen schlug ich ihm vor, vor dem Museum auf ihn zu warten, wenn es nicht allzu lange dauern sollte.
Halbe Stunde maximal meinte er.

"Okay, das kann ich machen."

"Kommen Sie doch mit. Ich bezahle Ihnen den Eintritt."

Kurz musste ich überlegen. Aber nur kurz. Und so kam es, dass ich umsonst eine fachkundige Führung durch das Museum der Brücke-Künstler erhielt, einschließlich der Erläuterung des Unterschieds zwischen den Techniken der Lithografie und des Linolschnitts. Und direkt anschließend wieder Geld verdienen konnte. Nochmal vielen Dank.
Mein Fazit dieses Museums:
Klein, aber lohnt sich für Menschen, die an den Brücke-Künstlern interessiert sind.
Sein nächstes Ziel war dann das Museum Bergruen. Auch nicht schlecht.
Meine letzte Tour zog sich, ging dann aber nach Tegel.


Mein Tourenschnitt an diesem Tag:
21,50 € pro Tour
Mein Kilometerschnitt:
1:1
Der Gesamtumsatz war gar nicht so spektakulär, wie man denken könnte, aber lauter interessante und nette Menschen an Bord. Und ein Traumwetter. Ein Tag wie aus dem Bilderbuch 

Ich finde, solch einen Tag habe ich mir mal verdient.

Donnerstag, 20. März 2014

Ja was denn nun?

Manchmal muss man ja so was von höllisch aufpassen.

Es kam ein Mann, mittleren Alters aus dem Hotel, stieg bei mir ein und hielt mir einen aus dem Internet ausgedruckten Stadtplanausschnitt unter die Nase. Darauf waren der Hardenbergplatz und der Bhf Zoo zu sehen. Und ein Punkt, bezeichnet mit Meetingpoint. Der war ungefähr auf Höhe des Schnellfress Restaurants gegenüber des Bahnhofs.

Okay, das ist ein von Touristen oft gewähltes Fahrziel, dort treffen sich ab und an Stadtführungsgruppen.


Aber mein Fahrgast redete auch mit mir:

"In front of ATM Coffee"

Ich bin ein Mensch mit mehr visueller Wahrnehmung. Also ab in Richtung Westen zum Bahnhof Zoo.


Mooment mal, ATM Coffee am Zoo?

"Please show me the map again."

Rechts ran gefahren und den Ausdruck noch mal genau angeschaut. Und dabei habe ich dann den Text über dem Plan gesehen:

"S-Bahn Station Hackescher Markt. Exit Am Zwirngraben. Meetingpoint in front of ATM Coffee."

Ja was denn nun?
Hackescher Markt wie im Text oder Bhf Zoo wie auf dem Plan? Das sind zwei genau entgegengesetzte Richtungen.

Auf meine Nachfrage zeigte er auf den Text und ich vollzog die 360° Wendung. Allzu weit waren wir noch nicht gekommen.

Da der Zwirngraben aber eine Fußgängerzone ist, musste ich ihn dort in der Nähe irgendwo rauslassen und ich werde nie erfahren, ob das jetzt richtig war und wieso im Text etwas anderes stand, als auf dem Plan abgebildet war.

Aber in diesem Fall kann ich damit leben. Obwohl ich schon neugierig bin, wer so einen Schwachsinn verbreitet.

Dienstag, 11. März 2014

Herr Professor Taxifahrer

Eine meiner Lieblingsfragen:

"Ist es möglich, wir fahren kurz am Hotel XYZ vorbei, ich hole meine Koffer und dann geht es weiter zum Flughafen."

"Na klar doch, bin heute mal nicht so."

Diese Frage stellte mir der dunkelhäutige Mann um die 50. Es sollte eine unterhaltsame Fahrt werden. Zuerst dachte ich ob seines internationalen Aussehens an einen Gast oder Aussteller der ITB, die ja gerade bei Berlins Taxifahrern für ein Umsatzplus sorgte. Aber nein. Er war zu einer Konferenz der Humboldt Universität in Berlin. Auf der Fahrt zum Flughafen erklärte ich ihm einige Sehenswürdigkeiten links und rechts der Strecke und er war sichtlich angetan von der Vielschichtigkeit der Stadt und meinte, für seinen nächsten Besuch müsse er sich viel mehr Zeit lassen.
Interessant für mich auch sein Vergleich zu New York, als ich das Thema Gentrification ansprach. Das Gleiche hätte in Brooklyn vor kurzem stattgefunden.

Irgendwann drehte ich den Spieß um und fragte IHN aus. Woher er denn komme und welches Fachgebiet er vertrete. Woher war einfach. Er war gebürtiger Inder und seit Jahren in Amerika zu Hause.
Schwieriger dann in der in englisch geführten Konversation sein Spezialgebiet:

"Professor." 

Äh und Professor für was? Dann begann mein Mißverständnis. Verstanden habe ich was mit Information. Hm, Information + Inder = Informatik?

"Was mit IT? Dann haben sie viel mit Mathematik zu tun?"

fragte ich nach.

"Ohne T."

antwortete er.

"Im Grunde so etwas ähnlich was Sie auch tun. Information, Logistik, Transport, Kommunikation und Wissen."

und noch zwei, drei Substantive, auf die ich bei der Berufsbeschreibung des Taxifahrers bis jetzt noch nicht gekommen bin.

Aber recht hat er.
Jetzt brauche ich nur noch eine Uni, die mir eine Professur anbietet und die Rente ist gerettet. Denn vom Trinkgeld indischer Amerika-Professoren kann man nicht leben.

Im Nachhinein tippe ich mal auf Informationswissenschaften. Aber auch nach intensivem Studium des Wiki-Artikels erschließt sich mir nicht ganz, was die wirklich machen.
Oder hat jemand noch einen Tipp, worin man mit den genannten Eigenschaften eine Professur erhalten kann?

Montag, 3. März 2014

Eine ganze Truppe von Taxikollegen stand gelangweilt vor dem Hotel. Es war früh am Morgen und Berlin schlief noch. Wir kannten uns alle und haben getratscht, wie man das halt so tut, wenn einem langweilig ist.

Da näherte sich eine Dame mit großem Koffer und steuerte die Halte an. Ich war vorne und sah schon von weitem einen "Tegel" Aufkleber an ihrem Koffer. Okay, nicht schlecht. Ich lud ihren Koffer ein und fragte wie immer:

"Was kann ich für Sie tun?"

Aber nichts mit Airport, please. Umständlich kramte sie in ihrer Handtasche, fand aber nicht, wonach sie suchte.

Mit grausamem amerikanischen Slang versuchte sie eine Adresse auszusprechen, was sich ungefähr so anhörte:

"Hämburg University  ***knödel***...house. Tegelstraße 13"

Das Geknödele vor House interpretierte ich als guest, aber wir sind hier nicht in Hämburg, sondern in Berlin. Oder sollte jetzt doch eine Hamburger Uni...? Tegelstraße kenne ich nicht, höchstens die Tegeler Straße und die Kollegen hatten noch größere Fragezeichen in den Gesichtern als ich und wendeten sich ab. Soll er doch selber klar kommen. So sind sie halt, die lieben Kollegen.

Okay, was mache ich jetzt mit der völlig orts- und anscheinend auch weltfremden Person?
Ich habe ihr dann auf dem Navi die Straßennamen gezeigt, die irgendwie mit Tegel oder ähnlichem zu tun haben. Kein Treffer dabei. Puuhh. Was nun?

Das Smartphone musste ran. Bei Google dann nach ihrer Vorgabe Buchstabe für Buchstabe eingegeben und so einfach kann die Welt sein.
Aus Hämburg wurde Humboldt, aus Tegelstraße Ziegelstraße. 1,2 Kilometer entfernt.

Als ich wieder zur Halte zurückkam, meinte einer der Kollegen (ohne Englischkenntnisse und Smartphone)  kopfschüttelnd, bei ihm müsse der Fahrgast immer eine vollständige Adresse angeben, sonst würde er erst gar nicht losfahren:

"Klaus, Du bist einfach zu gut für diese Welt."

Ich habe es schon immer geahnt.

Aber schon erstaunlich, dass sie es bis auf 1 Kilometer an ihr Ziel geschafft hatte.

Dienstag, 11. Februar 2014

Winterschlaf beendet

So, Winterschlaf beendet.
Am WE war ich wieder auf der Straße. In den letzten beiden Wochen hatte sich mein Schlafrhythmus wieder einer gewissen Normalität angepasst, so dass ich mich mächtig schwer tat mit dem selbst gewählten Arbeitsbeginn um 6 Uhr morgens. Und auch mit dem üblichen Ablauf. Keine Lust auf Partyvolk und betrunkene Nachtschwärmer. Also was tun? Irgendwohin, wo man in Ruhe den Arbeitsbeginn einläuten kann:

Für die frühen Morgenstunden entschied ich mich für den Pariser Platz. Wenn dort was passiert, sind es Fahrten vom Hotel zum Flughafen. Das werde ich wohl hinkriegen und ich finde dort bestimmt auch jemand zum Wachquatschen. So kam es auch. Ich stand also neben dem Taxi und redete mit dem Kollegen H. darüber, was ich in den letzten beiden Wochen so verpasst hatte (ausser der Fruit Logistica nicht so viel), als ein junger Mann so Ende Zwanzig, Anfang Dreißig mit schwarzer Hautfarbe sich zu uns gesellte. Zuerst erzählte er uns in einem oberlausigen Englisch über sein Geburtsland, ein kleines Land in Afrika und eine ehemalige französische Kolonie, weshalb er jetzt in Frankreich lebe. Und ja, der Anlass seines Besuches in Berlin sei die Berlinale. Ehrlich gesagt haben wir beide nicht viel verstanden. Er war auch etwas angetrunken und sein Englisch war einfach sehr schlecht. Und mein Französisch ist ja inzwischen auch gleich Null. Trotzdem ist man ja höflich und tut zumindest so, als würde man zuhören. Und er war auch ein sympathischer Kerl. Das alles dauerte mindestens 10 anstrengende Minuten.

Aber plötzlich wollte er auch Taxe fahren. Das Berghain war sein Ziel. Obwohl ich zwar nur an zweiter Position stand, wollte er unbedingt mit mir fahren. Ein Blick zum Kollegen. Der schien eher froh zu sein.

Und bei einer ATM sollten wir noch anhalten. Ich hatte eine im Visier, die direkt an der Strecke lag. Aber leider gibt es die nicht mehr. "Geschlossen wegen Vandalismus" stand da. Die nächste, die mir in den Sinn kam, bedeutete einen kleinen Umweg, aber was soll's.
Geld abheben klappte und als wir dann am Berghain einliefen, zeigte der Taxameter bedingt durch den kleinen Umweg und die Wartezeiten 16,20.

Ob es für mich okay wäre, wenn er 25 bezahlen würde und ich noch eine mit ihm rauchen würde? Na klar, rauchen (blöde Angewohnheit) wir halt noch eine. So standen wir neben dem Auto und ich versuchte von Neuem, aus seinem Kauderwelsch einen Inhalt herauszuhören.

Aber dann geschah etwas Unerwartetes:
Drei junge Männer kamen aus dem Club und er quatschte sie in fließendem Französisch an. Die hatten sich noch nicht als Franzosen zu erkennen gegeben und ich staunte nicht schlecht, als die ihm in fließendem Französisch antworteten. Meine Nachfrage, ob sie sich kennen würden, wurde verneint. Es waren auch keine Franzosen, sondern Belgier. Erkennen sich französisch sprechende Menschen an der Nasenspitze?

So standen wir inzwischen zu Fünft vor dem Berghain, behinderten etwas den Verkehr und als sie sich in Französisch unterhielten, musste mein Fahrgast etwas gesagt haben, das die Belgier in größte Freude versetzte und sie fingen an zu lachen, sich abzuklatschen. Ich stand etwas ungläubig staunend daneben, aber gleichzeitig war ich auch erleichtert, dass ich meinen Fahrgast offensichtlich in gute Hände gegeben hatte.

Und gleichzeitig wurde mir bewusst, was mir in den letzten zwei Wochen gefehlt hatte.

Montag, 20. Januar 2014

Über Handtaschen

Szenario bei mir im Taxi:
Vater, Mutter, Tochter. Alle drei mit jeweils einem Gepäckstück im Kofferraum. Sie hatten mich auf der Straße angehalten und wollten zum Hauptbahnhof.
Neben mir Mama, hinten rechts Papa, hinten links Töchterchen.

Unruhe hinten links. Ich hörte den Reißverschluss einer Handtasche. Gesuche. Gewühle.

"Gott sei Dank. Ich dachte schon, ich habe mein Handy liegen lassen."

Mama:

"Heinz, hast Du eigentlich den Hausschlüssel?"

Heinz:

"Ich habe keinen Hausschlüssel."

Nun öffnete Mama ihre Handtasche. Legt erstmal "so ein paar Dinge" auf die Mittelkonsole.

"Ah, da ist er ja."

Und packt "die Dinge" wieder in die Tasche.


Papa nun:

"Wer hat eigentlich die Tickets?"

Mama wird hektisch und packt wieder die Handtasche aus. Wird noch hektischer. Legt noch mehr "Dinge" auf die Mittelkonsole. Steigt ein in die Tiefen ihrer Tasche und zieht einen zerknüllten DIN A4 Zettel von ganz unten hervor:

"Da sind sie ja. Ich hab' die Tickets!"

und entspannt sich wieder. Und alle im Auto lehnen sich beruhigt zurück.

Nur ich dachte noch: Schade eigentlich, ich wäre gerne die 4 Km wieder zurückgefahren um die fehlenden "Dinge" zu holen.

Aber es ist halt so, manchmal dauert es seine Zeit, aber IRGENDWANN tauchen die "Dinge" in einer Handtasche auch wieder auf.

( Der Autor kennt das Spiel aus eigener Erfahrung.)

Donnerstag, 19. Dezember 2013

An Rande eines Arbeitstages (8)

Die Dame war sichtbar im Stress:

"Zum Kupferstichkabinett!" (ohne bitte)

"Meinen Sie das Kupferstichkabinett am Kulturforum?"

"Ich weiß nicht, wo das ist."

"Ich nehme an, Sie meinen das am Matthäikirchplatz/Kulturforum? Ein anderes ist mir nicht bekannt."

"Ich habe keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich da in 5 Minuten eine Führung machen muss. Wissen Sie nun, wo das ist, sonst fahre ich mit einem Ihrer Kollegen."

Und schwupps, öffnete sie die Tür und stieg wieder aus.

Man wird sich ja mal vergewissern dürfen, ob man mit dem Fahrzielwunsch seines Fahrgasts übereinstimmt.

Und ich dachte immer, jemand der Besucher durch ein Museum führt, sollte auch über die Bestände Bescheid wissen, ergo auch schon mal dort gewesen sein.

Im Rückspiegel beobachtete ich noch, wie sie die Schlange hinter mir abklapperte und beim ungefähr 5. Kollegen einstieg.


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Die Fahrt dauerte unter zwei Minuten. 4,80 Euro standen auf dem Taxameter. Er bezahlte mit einem 10er, ließ sich alles auf Euro und Cent rausgeben:

"And a receipt please."

Es ging mit mir durch, vermutlich saß ich doch etwas zu lange am Steuer.

Zum ersten Mal fügte ich auf einer Quittung einen persönlichen Kommentar hinzu:

4,80 Ausrufezeichen. Als ! natürlich


Freitag, 23. August 2013

Taxifahrer haben höchste Priorität

Nachdem ich gerade diese tollen Fahrgäste in der Nähe des Gendarmenmarkt abgesetzt hatte, meldete sich ein menschliches Bedürfnis. Nein, das hatte sich schon weitaus früher gemeldet, aber da hieß es noch durchhalten.

Nun, das Café Achteck am Gendarmenmarkt bot sich an. Dieses historische Pissoir am angeblich schönsten Platz Berlins gelegen hat mehrere Besonderheiten. Es  ist gendermäßig korrekt, auch Mädels dürfen und können da. Es gibt ein Handwaschbecken und eine Spülung. Aber darum soll es gar nicht gehen.

Ich fand einen wunderbaren Parkplatz und ging eiligen (sehr eiligen) Schrittes, schon fast in gebückter Haltung, auf die Erlösung zu, als mich ein junger Mann mit dem Satz: "Sind Sie jetzt frei" aufhielt. "Ööhm, nicht wirklich." und deutete auf das grüne Häuschen. Nicht sehr kundenfreundlich, ich weiß. Aber es gibt halt manchmal Dinge zwischen Himmel und Erde...

"Keine Eile" meinte er. Was es denn kosten würde, wenn ich diesen Blumenstrauß innerhalb der nächsten Stunde mit der Bemerkung: "Für die Hochzeit." im Ritz-Carlton abgeben würde,
Ich nannte ihm realistische 5 - 7 Euro. "Machen Sie Zehn." und drückte mir einen Fuffi in die Hand. Leicht unruhig nestelte ich meine Geldbörse aus der Hosentasche, gab ihm 40 zurück und verstaute den Strauß im Kofferraum. Und weg war der Kunde. Die Spekulationen, warum er nicht selbst den Strauß übergeben wollte, stellte ich erst mal zurück und konnte den Servicemann, der gerade in der Männerabteilung am Putzen war und zu diesem Zweck das Café abgesperrt hatte, davon zu überzeugen, dass ein Notfall vorlag.  

"Ein Taxifahrer? Busfahrer und Taxifahrer haben bei mir höchste Priorität. Gehen Sie kurz."

Soll ich jetzt noch erwähnen, dass dieser Tag ein äußerst zufriedenstellender war? Sogar beim Pinkeln gehen noch Geld verdient.

Mittwoch, 21. August 2013

Berlins Parkstraßen, aua

Oh Mann, hätte mir das nicht jemand vorher sagen können, WIE kompliziert Berlin ist?

Eine Dame stieg ein, einen Zettel in der Hand. Sie müsse in die Parkstraße in Pankow. Die Parkstraße, die ich spontan zur Hand hatte, war die in Weißensee. Weißensee liegt im BEZIRK Pankow. Sie meinte aber, wie sich nachher rausstellte, den ORTSTEIL Pankow. Nach ihrer letzten Erfahrung mit der Taxianfahrt zu eben dieser Parkstraße, bei der ein Kollege mindestens 4 Parkstraßen mit ihr abgeklappert hatte und er ihr anschließend geraten hatte, das nächste Mal doch bitte die Postleitzahl bei der Hand zu haben, hatte sie diese auch dabei.
Und jetzt kam einer der großen Vorteile eines Navis richtig zum Tragen: Die Straßensuche nach PLZ.
Unterwegs erzählte sie noch von der Panke, die direkt hinter dieser Adresse vorbeifließt. Und da die Panke ein Hobby von mir ist (Bilderserie work in progress), hatte ich ihr jede Menge zu erzählen.Obwohl Ich nie von dieser Seite aus dort gewesen war, hatte ich nun auch eine grobe Ahnung, welche Parkstraße gemeint war. Sie war völlig begeistert von den neuen Informationen über Panke und Co und das schnelle Finden der richtigen Parkstraße.

Zu Hause habe ich mir die Parkstraßen in Berlin noch mal genauer angeschaut, vor allem wo der Kollege so mit ihr rumgegurkt sein könnte. Kein Vorwurf, das ist eine höchst komplizierte Angelegenheit.

Google Maps weist insgesamt 7 Parkstraßen aus, Kauperts sogar 9. Davon alleine schon 4 im BEZIRK Pankow. Und ein Klick bei Google auf die Parkstraße in Pankow zeigt nicht die gewünschte Straße an. Das ist die Parkstraße in Blankenburg, was auch zum BEZIRK Pankow zählt. Gemeint war diese, die bei Google in der Auswahlliste gar nicht angeboten wird.

Ein Hoch auf ein Navi und mein Pankehobby.

Dienstag, 20. August 2013

Die Tour des Monats...

... vielleicht des Jahres. Nein, das nicht. Die war vor 3 Wochen. Über die kann ich aber aus Datenschutzgründen nicht schreiben.

Auch diese Tour stellt mich vor gewisse Probleme und so werde ich versuchen, die Personen nicht identifizierbar zu machen. Ein Ehepaar aus der Schweiz steigt am Pariser Platz ein und zeigt mir einen Internetausdruck einer Firma mit einer Anschrift im tiefsten Osten der Stadt. Sie müssten sich dort ein paar Beispiele eines Stadtmobliars ansehen, das das Unternehmen herstellt.
Und der Betrieb liegt tatsächlich in einer Gegend, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Sie schauen sich besorgt das Umfeld an und dann kommt der von mir erhoffte Satz:

"Was kostet denn in Berlin die Wartezeit im Taxi?"

"Die Stunde 25 Euro."

"Haben Sie denn Zeit und können Sie auf uns warten? Wir müssen anschließend wieder zurück zum Gendarmenmarkt."

"Na klar."

Was soll ich sagen, beinahe 1,5 Std brauchen sie. Und die Uhr läuft.

Damit nicht genug, die Firma hat von den gewünschten Stadtmobiliargegenständen einige Beispiele in Berlin rumstehen, von denen wir noch 2-3 abklappern. Auf meine Frage, was sie denn mit diesen Gegenständen zu tun gedenken, erhalte ich die Antwort:

"Die sollen auf die Vorfahrt zu unserem kleinen Schlösschen."

Und schlagartig verschwindet dieses komische Gefühl, das ich immer habe, wenn ich Menschen so beim Geld rausschmeißen zuschauen muss. Und auch noch davon profitiere.

Zum Schluss runden sie den angefallenen Betrag sehr, sehr großzügig auf satte 80 Euro auf.

"Danke für Ihre Geduld und die umfangreiche Ortskenntnis."

"Aber bitte, gern geschehen.."

Montag, 19. August 2013

Popper sind die Punks von heute

Am Sonntagmorgen am Watergate steigt ein junger Mensch ein und will zur wilden Renate. Im breitesten schwäbischem Akzent meinte er nach ungefähr 200 Metern:

"I habb abber nur noch fenf Euro." (Ich habe aber nur noch fünf Euro)

"Das wird aber nicht ganz reichen."

"Mee habb i abber net." (Mehr habe ich aber nicht.)

"Und von was willst du das Eintrittsgeld bezahlen?"

"Woiß i no ned. I benn a Punk."  (Weiß ich noch nicht. Ich bin ein Punk[er].)

"Du willst ein Punk sein? Gekleidet bist du wie, äh, früher hat man Popper* dazu gesagt."

"Popper senn die Punks von heid." (Popper sind die Punks von heute.)

Okay, die letzten 200 Meter kann so ein Punk ja auch laufen. So was mache ich normalerweise nicht. Aber der ging mir mit seinem Getue ziemlich auf den Senkel.

*Das waren damals meine Erzfeinde. Junge Union und so ne Typen.



Montag, 12. August 2013

Hauptsache Schön...

Der vor mir positionierte türkische Kollege und ich standen neben unseren Wagen und quatschten über die aktuellen Straßensperrungen und den Verlauf der gerade durch Mitte ziehenden Demo. Wir betrachteten an diesem bisher so ereignislosen Arbeitstag die heranziehenden dunklen Wolken in der Hoffnung auf einen kräftigen Regenguss, als er plötzlich von einem aus dem Nichts auftauchenden älteren Ehepaar angesprochen wurde:

"Haben Sie ein Navi an Bord? Wir müssen zum Flughafen Schönhagen."

"Sie meinen Schönefeld? Dafür brauche ich kein Navi."

"Nein, Schönhagen."

"SchöneFELD!"

"Schönhagen. Wir müssen zum Flughafen Schönhagen. Der ist in Brandenburg."

"Ja, Schönefeld liegt in Brandenburg."

"SCHÖNHAGEN: Haben Sie nun ein Navi, oder nicht?"

Er hatte eins. Schade eigentlich. Laut Google Maps 44 Kilometer.