Montag, 20. September 2010

Umsatz gut, aber nicht für jeden

Der Samstag war, mit einigen Anlaufschwierigkeiten, ein sehr zufriedenstellender Tag. Ab mittags gab es eher einen Taximangel in der Mitte von Berlin, vermutlich sind viele Fahrer ob der angesagten Großdemo rund um den Hauptbahnhof und wegen eines Fahrradkorsos durch halb Berlin gleich zu Hause geblieben oder haben die Innenstadt konsequent gemieden. Selten habe ich so viele Taxihalten "ohne" gesehen, wie an diesem Tag. Ob Pariser Platz, Grand Hotel, Ritz-Carlton und auch Interconti, meistens standen Fahrgäste an leeren Halten und warteten mehr oder weniger geduldig auf ein freies Taxi. Es lief, wie ich es mir wünsche - lauter mittlere Touren, vor und zurück und nicht weit ausserhalb, wo sowieso nichts los ist, sondern immer schön im Zentrum. Einmal hatte ich sogar obendrein extremes Glück. Morgens brachte ich ein Pärchen zum Schloss Charlottenburg. Als ich ungefähr 2 Stunden später wieder jemanden dorthin brachte und nach dem Ausladen durchstarten wollte, klopfte es an meine Seitenscheibe und genau dieses Pärchen von morgens wollte jetzt mit mir zum KaDeWe fahren. Der Gesamtumsatz lag also um einiges über den Erwartungen.
Zufällig stand ich morgens am Pariser Platz dreimal hinter dem selben Kollegen und wir haben schon darüber gewitzelt. Am Sonntag habe ich ihn wiedergetroffen. Diesmal stand er hinter mir. Beide sind wir Raucher und so haben wir uns, neben dem Wagen stehend, über den gestrigen Tag unterhalten.
Sein erster Satz:
"Was für ein Scheiss Tag gestern!"
"Hä, der war doch gut. Lief doch wie geschmiert."
"Was? Ich hatte gestern in 10 Stunden 80 €!"
Ich hatte aber das eineinhalbfache umgesetzt, was ich ihm aber nicht gesagt habe, um ihn nicht noch mehr zu frustrieren. Irgenwas hat er falsch gemacht der Kollege.
Aber so ganz endgültig werde ich unser Business nie verstehen. 80 € hatte ich allein in den letzten 3 Stunden umgesetzt.

Kommentare:

  1. Bei deiner Erzählung von Taxiplätzen mit geduldig wartenden Fahrgästen bin ich im Traum 22 Jahre rückwärtsgeschwebt. Damals war das hierzulande der Normalfall. Wenn man mutterseelenallein am Hauptbahnhof ankam, konnte man sich die Fahrgäste sogar aussuchen, natürlich abhängig vom Adrenalinspiegel der Zurückgebliebenen.
    Ach ja, die gute alte Zeit!

    AntwortenLöschen
  2. @Bernd
    In der Zeit hatteste auch sicher Dein Festgehalt. In der DDR mussteste ja nicht auf Prozente fahren.

    AntwortenLöschen
  3. @Bernd
    "Normalfall" wäre dann aber auch irgendwie langweilig. ;-)

    AntwortenLöschen
  4. Erst mal ein Hoch auf den Normalfall! Außerdem gebe ich Aro recht, denn ich hatte ein Festgehalt - allerdings nicht als Taxifahrer. Als man hierzulande nach Jahrzehnten bemerkte, daß die Taxis nicht reichen und die Leute aufmüpfig werden, erließ man ein Gesetz, das den Zugang von Privatpersonen mit eigenem PKW zum Taximarkt in Feierabendarbeit ermöglichte. Das hieß also: 40 Stunden pro Woche Arbeit und dann ab auf die Piste, dieses allerdings auf eigene Rechnung, nur mit Mietgebühren für Leuchtschild und Taxameter (BOTAX), was wir von VEB Taxi Dresden gestellt bekamen. Anstatt der Ordnungsnummer hatten wir im Heckfenster ein A5-großes Kunststoffschild mit unserer Registriernummer. Meine war R076. Das R stammte von den KFZ-Kennzeichen(R + Y für Bezirk Dresden).Weil das Schild wie ein Blatt Papier aussah, wurden wir ´Zetteltaxen´ genannt.

    AntwortenLöschen
  5. @Bernd
    Interessant. Schreib doch mal ausführlich in Deinem Blog was über die Zeit.

    AntwortenLöschen
  6. @Klaus
    Dein Wunsch ist mir Befehl: Habe mal bißchen was geschrieben(http://www.taxiblog-dresden.de/?p=395). Wer mehr wissen will, fragt einfach mal nach, denn ich weiß auch nicht aus dem Stegreif, was für Außenstehende interessant wäre.

    AntwortenLöschen