Montag, 30. September 2013

Immer diese Straßensperrungen, sagte der Marathonläufer

Diese Marathonläufer sind schon ein Völkchen für sich.
Vorbereitungen zum Marathon

So sehr ich auch die Fitness und die Fähigkeit, den eigenen Schweinehund zu überwinden auf der einen Seite anerkenne, ja sogar ganz im Inneren ein bisschen neidisch bin, muss ich auf der anderen Seite aber auch sagen, irgendwie haben manche da völlig ein Rad ab.

Mit nullkommanull Deutsch- oder Englisch-Kenntnissen ausgestattet, kaperte ein Paar meine Taxe. Er war wohl mitgelaufen, sie nun um sein Wohlbefinden besorgt.

"Abba, ABBA." war ihr Fahrzielwunsch. Auf meine Nachfrage: "Das Abba Hotel in der Lietzenburger Straße?" bekam ich einen Stadtplan vor die Nase gehalten, in dem ein Kreuz in der Lietzenburger/Knesebeck gezeichnet war. Okay, das Abba Hotel. Soweit also alles noch normal. Auf meinen Versuch ihnen klar zu machen (in Deutsch und Englisch), dass ich nicht genau wusste, ob man dort schon hinkäme und ihnen meinen Ausdruck der Straßensperrungen unter die Nase hielt, reagierten sie mit: "vamos, vamos" und einem Handzeichen, dass ich doch endlich losfahren solle. Das mag ich ja gar nicht. Erst wenn soweit alles geklärt ist, drücke ich die Taxametertaste. Und zwar immer.

Ja nu, der männlicheTeil des Paares war aber in keiner guten Verfassung und der weibliche Teil vermittelte mir den Eindruck, dass sie nicht gewillt sei, mit mir darüber zu debattieren. In welcher Sprache denn auch? Was sollte ich also tun? Sie werden es schon noch merken. Auf die erste Absperrung reagierten sie mit Kopfschütteln und Unverständnis. Ich fuhr noch ein paar Straßen weiter, um noch ein kleines bisschen näher an ihr Ziel ranzukommen. Dort waren noch sichtbar die Läufer unterwegs und ich glaube, in diesem Moment dämmerte ihnen was. Diese Straßensperrungen waren wegen der Menschen unterwegs, die hier einen Marathonlauf absovierten. Na schau mal an.

Ich zeichnete ihnen noch auf ihrem Stadtplan den restlichen Fußweg ein, den sie noch zu gehen hatten und hatte zum Schluß doch noch zufriedene Fahrgäste.

Aber was ich noch so an Erschöpfungs- und anderen Zuständen im Zieleinlauf gesehen habe, ließ meine innere Bewunderung auf Null sinken.




Donnerstag, 26. September 2013

Ein Stern liegt rum in 36

Ich habe einen neuen Lieblingskollegen. Das ist nicht ironisch gemeint, sondern es ist ein Kollege, bei dem ich mich immer wirklich freue, ihn zu treffen und ein Schwätzchen zu halten. Und wie könnte es anders sein, ein Kreuzberger. Er wohnt um die Ecke unseres Ablöseplatzes und als Kreuzberger hat man viel zu quatschen. Wie es früher war, über die Veränderungen in unserem Stadtteil. Und einen Spaß habe ich mir gemacht, als ich ihn raten ließ, wo ich wohne: Direkt an der Grenze von 36, 61 und 44. Aber das ist nur für berlinfirme Menschen interessant. Hat sogar bei ihm etwas gedauert.

So lebt er seit 40 Jahren im legendären SO 36 und ich lebe seit 30 Jahren in 61. (Gott sei Dank gibt es für jeden Scheiß einen Wiki-Eintrag.)

Zu 61 sagt Wikipedia unter anderem:        

" ...Kreuzberg 61 gilt als bürgerlich und künstlerisch-intellektuell." *

Während es von 36 heißt:

"36 brennt, 61 pennt“


Oder wie ich es im Gespräch mit ihm dargestellt habe:

"In 61 haben sie die Mercedesse gefahren und in 36 die Sterne abgerissen."

Er ganz unverblümt:

"Ja das haben wir gemacht. Ich habe noch eine ganze Sammlung im Keller."

"Aha, du hast also den Stern, der mir 1988 geklaut wurde."

Und als ich den Kollegen vor kurzem mal wieder traf, forderte ich frotzelnder Weise meinen Stern zurück. Leider, wie das immer so ist, man trifft jemanden Angehnehmes an der Halte und schon geht es ganz schnell mit den Kunden. Schwups, weg war er.

So viel zur Vorgeschichte. Jetzt ganz aktuell:

Am Montag habe ich früh morgens eine Sonderschicht eingelegt, um die vielen Menschen, die anlässlich der Wahl in Berlin weilten, zu ihren Bahnhöfen und Flughäfen zu bringen und um anschließend meiner Taxe eine Grundreinigung zu verpassen. Was höchste Zeit war, weil mein Nachtfahrer, der das normalerweise erledigt, immer noch krank ist.

Die Feinarbeiten erledigte ich an unserer Tanke an der Ablöse. Zweimal überquerte ich die Straße, um aus meinem Privatwagen ein paar Dinge zu holen, die ich für die Reinigung brauchte.
Nachdem ich klar Taxe gemacht hatte und erschöpft aber zufrieden in meinen PKW steigen wollte, traute ich meinen Augen nicht:
Ja, er hätte auch mal eine Grundreinigung verdient
Liegt doch ein Stern auf meinem Franzosen. Hat der Kollege mich jetzt tatsächlich beim Putzen gesehen, beobachtet wie ich zu meinem Privatauto (das er eigentlich nicht kennt) ging und, ohne mich anzusprechen, heimlich einen inzwischen mitgeführten Stern draufgelegt? Oder ist das nur ein sehr komischer Zufall?
Ich werde es rauskriegen.

P.S.
Der Kollege fährt übrigens einen Zafira..

*Ich weiß, die Unterschiede zwischen 36 und 61 habe ich im Blog schon mal thematisiert, finde ich aber im Moment nicht.


Montag, 23. September 2013

Neuwahlen

Die Schlange der Ü-Wagen vor der CDU Parteizentrale. Am Horizont das Pressezelt.
Und die BBC ist mit mir gefahren.
Puh, wenn es nach meinem Umsatz am Wahlsonntag geht, sollte viel öfter gewählt werden.
Das beste Ergebnis des Jahres und das viertbeste aller Zeiten.

Unter diesem Gesichtspunkt: Neuwahlen!

Mittwoch, 18. September 2013

Peer-Form-Sache

Der obligatorische Dienstag-Spaziergang  führte uns diese Woche in den Park am Nordbahnhof, zu einer Besichtigung von zwei der vier in der Liesenstraße liegenden Friedhöfe und einem weiteren Besuch des Tieranatomischen Theaters.

Wir kamen auf dem Weg von der Liesenstraße zur Luisentraße in der Chausseestraße an dieser Werbetafel mit wechselnden Grafiken vorbei:

Zuerst WIR:
 Dann SIE:
Dann ES:
Wie jetzt, Peerformance?
(klingeling in der Wortspielkasse)

Hier der Spaziergang auf Maps:
Spaziergang Park am Nordbahnhof

Und bei Picasa gibt es noch mehr Infos:

Park am Nordbahnhof und Tieranatomisches Theater


Dienstag, 17. September 2013

E- oder B-? Hauptsache Klasse?

Mein Arbeitgeber stellt nach und nach seine Flotte um. Von E-Klasse auf B-Klasse. Begründung: Die E-Klasse würde zuviel Sprit verbrauchen. Die bräuchte ja so zwischen 10 und 11 Liter.
Kann ich nicht bestätigen.
Okay, da war eine längere Tour nach ausserhalb dabei.
Aber auch nach zwei Tagen Stadtverkehr standen da nur 8 l/100km.

Dienstag, 10. September 2013

Auto des Tages (20)

Mensch Mercedes, wat haste dir verändert seit 1958.


Montag, 9. September 2013

Was Grundsätzliches zu Demos

Zum ersten Mal in meiner langjährigen Taxifahrertätigkeit habe ich am Samstag eine Schicht früher beendet als vorgesehen. Und das kam so:

Kreuzberg:
Um 16:00 Uhr beginnt am Kottbusser Tor eine Demonstration via Gitschiner Straße, Böcklerstraße, Erkelenzdamm, Kohlfurter Straße, Mariannenstraße, Oranienstraße, Adalbertstraße und Kottbusser Tor zur Admiralstraße. Bitte rechnen Sie bis ca. 19:00 Uhr mit kurzzeitigen Sperrungen in diesem Bereich.

Mitte:
Aufgrund einer Veranstaltung kommt es bis 24:00 Uhr im Bereich Straße des 17.Juni, Großer Stern, Brandenburger Tor und im Regierungsviertel zu mehreren Sperrungen. Ab 06:00 Uhr ist die Straße des 17.Juni ab Yitzhak-Rabin-Straße in Richtung Brandenburger Tor, die Ebertstraße zwischen Dorotheenstraße und Behrenstraße und die Dorotheenstraße ab Wilhelmstraße in Richtung Reichstag gesperrt. Ab 12:00 Uhr kommen folgende Sperrungen hinzu bzw. werden ausgeweitet: Straße des 17.Juni in beiden Richtungen zwischen Brandenburger Tor und Großer Stern, John-Foster-Dulles-Allee ab Haus der Kulturen in Richtung Reichstag, Kronprinzenbrücke in Richtung Reichstag und Moltkebrücke in Richtung Kanzleramt. Des Weiteren kann es aufgrund eines Umzugs von 14:00 bis 17:00 Uhr zu weiteren kurzzeitigen Sperrungen kommen. Wir empfehlen Ihnen diesem Bereich weiträumig zu umfahren.

 Mitte:
Um ca. 12:00 Uhr beginnt im Kreuzungsbereich Karl-Marx-Allee/Otto-Braun-Straße eine Demonstration mit bis zu 30.000 erwarteten Teilnehmern. Die Strecke führt via Alexanderstraße, Stralauer Straße, Spandauer Straße, An der Spandauer Brücke, Rosenthaler Straße, Weinmeisterstraße, Münzstraße, Memhardstraße, Alexanderstraße und Alexanderplatz zurück zur Karl-Marx-Allee/Otto-Braun-Straße. Bis ca. 20:00 Uhr kommt es in diesem Bereich zu Behinderungen. Verkehrsteilnehmer sollten den Bereich weiträumig umfahren.

 Mitte:
Um 13:30 Uhr beginnt an der Kreuzung Reinhardtstraße/Albrechtstraße ein Umzug via Friedrichstraße, Torstraße, Rosenthaler Platz, Torstraße, Mollstraße, Platz der Vereinten Nationen, Lichtenberger Straße, Strausberger Platz, Karl-Marx-Allee, Frankfurter Tor, Warschauer Straße, Revaler Straße, Modersohnstraße, Stralauer Allee und Alt-Stralau zur Kynaststraße. Bis voraussichtlich 22:00 Uhr ist mit Behinderungen zu rechnen.

Neukölln:
Ab 13:00 Uhr kommt es aufgrund einer Demonstration im Streckenverlauf Hermannplatz, Karl-Marx-Straße, Erkstraße, Sonnenallee, Pannierstraße, Glogauerstraße, Reichenbergerstraße, Ohlauer Straße, Wienerstraße und Oranienstraße zum Oranienplatz bis ca. 21:00 Uhr zu kurzzeitigen Sperrungen.

Prenzlauer Berg:
Ab 14:00 Uhr bis ca. 17:00 Uhr kann es wegen einer Demonstration in der Gleimstraße in Höhe Mauerpark zu Sperrungen kommen.
Berliner Zeitung

Auch die Abendschau berichtete. (Keine Ahnung wie lange der Link gültig ist.)

Vorsicht Werbung. Unbezahlt natürlich.
(Die Seite "Verkehrsvorschau für den...", zu finden unter der Rubrik Verkehr der Berliner Zeitung ist Pflicht für jeden, egal ob ÖPNV-Nutzer oder sonstiger Teilnehmer am öffentlichen Straßenverkehr.)

Nein, es machte keinen Spaß, seine Fahrgäste die letzten Meter zum Hauptbahnhof zu Fuß gehen lassen zu müssen, wie mir der hilfsbereite Polizist an der Absperrung zum Kapelle-Ufer empfahl.
Und mit viel Trickserei schaffte ich es anschließend, das Taxi vor der Zeit nach Hause zu bringen.

Das mit den Demos ist für mich eine zwiespältige Angelegenheit. Einerseits ein grundgesetzlich verbrieftes Recht, andererseits sorgen sie für ein Umsatzdefizit in meiner Kasse und dadurch zu Mindereinnahmen.

Aber völlig auf dem falschen Dampfer sind Menschen, wie der ältere Schwabe, dem ich mein Leid am Sonntag schilderte. Ich übersetze gleich:

"Da lief gestern doch ein kleines Grüppchen Menschen am HBF vorbei, die hatten syrische und ägyptische Flaggen dabei. Ich verstehe nicht, wie man so etwas genehmigen kann, wenn DIE hier bei uns ihr Mütchen kühlen wollen."

Lieber Fahrgast, da hast du unser demokratisches System nicht verstanden. Demonstrationen müssen nicht genehmigt ,sondern nur angemeldet werden. 

Und ich frage mich, ob solche Menschen noch mit beiden Beinen auf dem Boden unseres Grundgesetzes stehen.
Vielleicht sollte man mal über Abschiebung solcher Personengruppen nachdenken? Aber wohin damit?

Davon mal abgesehen, der Sonntag dann, der ohne nennswerte Verkehrsbeeinträchtigungen auskam, war traumhaft und das Defizit vom Vortag konnte ich locker wieder rausholen.
 

Freitag, 6. September 2013

Foouull, böses

Ich sag's mal in der Fußballersprache:
Für dieses grobe Foul müsste es mindestens Punktabzug geben, oder aber gleich die Rote Karte.
Zumindest aber Schmerzensgeld für alle Berliner.

Merkels betende Hände
Wahlkampfplakat der CDU am Berliner Hauptbahnhof
Und wofür betet sie eigentlich?
Für den Wiedereinzug ins Kanzleramt (hinten links im Bild)

Nachtrag 11:10 Uhr
Was das Neuland so macht mit der Merkel-Raute:

Dienstag, 3. September 2013

Auto des Tages (19)

Das Auto des Tages ist diesmal ein Moped. 
Eine Zündapp C 50 Sport aus dem Jahr 1972.

Qualkampf

Falls es jemand noch nicht bemerkt haben sollte, es ist Wahlk(r)ampf in Schland.

Schon von weitem konnte man den jungen, dynamischen Menschen erkennen, der an der Schlange der wartenden Taxen vorbeilief und versuchte jedem Kollegen einen Flyer anzudrehen. Das ist jetzt nichts ungewöhnliches. Es gibt immer wieder Menschen, die denken, so ein Taxi sei ein guter Werbeträger und uns ihre Angebote für Fitness-Studios, Restaurants und ähnliches ins Auto stecken und ernsthaft glauben, wir würden diese an unsere Fahrgäste weiterempfehlen.

Aber wie gesagt, es ist Wahlkampf. Als sich der junge Mann nun näherte, konnte ich erkennen: Ein Wahlkämpfer. Der Afd. (sucht euch die selber)
Ich winkte ab, als er mir seinen Flyer anbot und konnte nicht umhin noch eine Bemerkung in seine Richtung abzugeben:

"Bleib mir bloß vom Leib."

Das konnte er nicht auf sich sitzen lassen:

"Wieso, was hast du gegen uns?"
und signalisierte deutlich seine Diskussionsbereitschaft.

"Ihr seid doch verseucht von rechtsradikalen Populisten. Unter anderem von denen der NPD."

"Die von der NPD wurden doch wieder rausgeschmissen."

"Kann sein, aber der Rest?"

Es entspann sich nun das Gegenteil von dem, was ich mit meiner flapsigen Bemerkung erreichen wollte, nämlich eine Diskussion über Sinn und Unsinn des Euros und der EU und weitere Themen. Schon hier standen wir uns unvereinbar gegenüber, da für mich so Begriffe wie "sozial" und "Solidarität" einen hohen Stellenwert in unserer Gesellschaft haben. Und das Gejammer über (vermeintlich) rausgeschmissenes Geld geht mir mächtig auf den Zeiger. So ist es halt.

Und der junge Mann schaffte es tatsächlich, mich davon zu überzeugen, dass die AfD eine unwählbare Partei ist:

"Wir stehen für eine konventionelle Familie. Oder hast du zwei Väter?"
 
"Ja. Meine Mutter hat sich ganz konventionell scheiden lassen und dann wieder geheiratet. Auch ganz konventionell"

"Aber willst du denn zwei schwule Väter haben?"

"Was spielt denn die sexuelle Orientierung dabei für eine Rolle?"

Das war zuviel für ihn. Er zog ab mit der Bemerkung:  

"Auf deine Stimme sind wir doch gar nicht angewiesen. Du bist bei den grünen Pädophilen gut aufgehoben, du Gutmensch."

Nein du Schlechtmensch, garantiert nicht,

Guter Wahlkämpfer. Er hat es tatsächlich geschafft, innerhalb eines 3 bis 4 minütigen Gesprächs aus meinen Vorurteilen dieser Partei gegenüber Urteile zu machen.

Aber was bringt mir das, wenn ich weiß, wen ich NICHT wählen werde? WEN kann ich überhaupt noch wählen? Wohin eigentlich mit den zwei Kreuzen? Zu oft habe ich schon mit geballter Faust in der Hosentasche meine "staatsbürgerliche Pflicht" erledigt und wurde anschließend an der Nase herumgeführt. Zuletzt von Rot-Grün.

Der Reinhold aus München hat sich so seine eigenen Gedanken zur parlamentarischen Demokratie gemacht. Gegen seine Konsequenz nicht wählen zu gehen, wehre ich mich aber noch. Mit Betonung auf NOCH. Kann sein, dass ich meine Meinung mal ändere, wenn es zwei Kreuzchen explizit für Nichtwähler geben sollte.


Montag, 2. September 2013

Man weiß nie, wofür es gut ist

Ich war gerade von der Rücke auf die eigentliche Halte vor dem Hilton vorgerutscht. als ein junger Mann mit leicht verzweifeltem Gesichtsausdruck neben meinem Wagen stand:

"Würden SIE mich zum Hotel Adina in der Krausenstraße fahren? Der Erste vorne meinte, er würde jetzt seit 50 Minuten hier stehen und das sei gerade mal eine 4 Euro Tour. Ich solle mich an den Letzten in der Schlange wenden."

Okay, das ist wirklich eine extrem kurze Tour.



Ich persönlich fahre ja alle Strecken, egal wie kurz. Zugegebenermaßen manchmal mit einem innerlichen Grummeln, wenn es schon die X-te hintereinander ist. Aber ich würde mir das nie anmerken lassen, geschweige denn einen Kunden abweisen.

Und vor allem, man weiß nie, zu was es gut ist. So auch dieses Mal. Unterwegs dann:

"Ich habe es nämlich sehr eilig. Würden Sie kurz vor dem Hotel auf mich warten, bis ich meine Koffer geholt habe? Ich muss ganz schnell zum Flughafen Tegel."

Zu gerne würde ich dem Kollegen dies unter die Nase reiben, habe aber seine Konz. Nr. nicht gesehen.






Donnerstag, 29. August 2013

Kaum zu glauben

Mal wieder Menschen, die keine Verkehrsschilder lesen können.

Dieses Foto musste ich von der zweiten Spur machen, da auf der Rücke am Pariser Platz kein Platz mehr war.
Als ich es dann geschafft hatte, vor diese 2 illegal auf unserer Halte stehenden Bierbikes zu kommen, wurde ich doch tatsächlich von denen gebeten, wieder aus der Schlange auszuparken, weil sie ihre Rundfahrt beginnen wollten. Die haben nämlich keinen Rückwärtsgang und einen Wendekreis, der unter aller Kanone ist. 

Sorry, das war dann aber doch etwas zuviel verlangt. Die mussten warten, bis es vorne weiterging. Hat nicht lange gedauert. Ehrlich.

Hoffentlich werden diese saufenden und grölenden Verkehrshindernisse auch in Berlin verboten. Dieser Artikel aus dem Tagesspiegel ist aber fast 2 Jahre alt. Seitdem habe ich zu dem Thema nichts mehr gehört. Und überhaupt, bräuchten die Fahrer nicht eigentich einen Personenbeförderungsschein? Wenn nein, warum nicht? Nur weil es kein Kraftfahrzeug ist und man dann wie üblich die Straßenverkehrsordnung gar nicht kennen muss? Siehe Eingangssatz.


Montag, 26. August 2013

Verkehrschaos und Verschwörungstheorien

Gestern war wieder so ein Tag, an dem ich mich fragte, was denn im Kopf der Berliner Verkehrskoordinatoren vor sich geht. Ich vermute, gar nichts.

Dass die Straße des 17. Juni gesperrt war, ist nichts ungewöhnliches und so irgendwie hat man sich daran gewöhnt. Sogar mit der immer noch währenden Sperrung der Tiergartenstraße als südliche Umfahrung in Richtung Westen kommt man als Profi noch klar. Dass aber zum gleichen Zeitpunkt auf der nördlichen Umgehung über die John-Forster-Dulles-Allee kein Linksabbiegen Richtung Großer Stern möglich war, stellte uns alle vor große Probleme.

Der so einfach anmutende Fahrgastwunsch  Pariser Platz - Flohmarkt in der Straße des 17. Juni entpuppte sich als äusserst kompliziert und für die Fahrgäste ungewöhnlich teuer. 3 Euro mehr als normalerweise. Und auch für mich waren die Staus, in denen ich ja nichts verdiene, enervierend.

Ein letztes Mal stellte ich mich anschließend am Pariser an, da es dort ziemlich gut lief. Inständig hoffte ich auf eine Fahrt Richtung Osten und wurde erhört. In die Kastanienallee in Prenzlauer Berg sollte es gehen.

Nicht lange währte die Freude: An der Spandauer Straße angekommen, versperrte ein Großaufgebot der Polizei die Weiterfahrt. Ich hatte vorher schon in den Verkehrsnachrichten von einer Demonstration gehört, die am Alexanderplatz losgehen und bis zum Reichstag ziehen sollte. Das dürfte den Verkehr endgültig zum Erliegen gebracht haben.
(Und schön, dass immer der Hinweis kommt: "Bitte benutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel." Als ob das Taxi nicht auch zu denen gehören würde.)

Überhaupt zu Demos:
Die Menge an Demonstrationszügen, die speziell am Wochenende durch Berlins Straßen ziehen, ist inflationär. An vielen Samstagen so um die 3 bis 6. Keinen Menschen mehr interessiert das Thema, das in den meisten Fällen seine Berechtigung hat. Und meistens ist es schade, dass auf diese Weise das gesetzlich verbriefte Recht auf Meinungsfreiheit völlig im Sande verläuft.

Als ich heute aber den Hintergrund für die weiter oben erwähnte Demo las, zweifelte ich (so als einfaches Gemüt) an der Sinnhaftigkeit so mancher freien Meinungsäusserung:

"Pentagon, CIA, Rothschild ... Sie und andere sind Teil des großen Plans, die Menschheit zu vergiften."
 "Die Leute, die da vom Alex zum Reichstag zogen, hielten Plakate, die anprangerten, Kondensstreifen der Flugzeuge enthielten Chemikalien, die – wahlweise – die Menschheit impotent machen oder auch die Ernte vergiften würden, damit Konzerne wie Monsanto genmanipuliertes Getreide verkaufen können. „Guck’ mal da!“ rief eine Demonstrantin, die auf einen Kondensstreifen zeigte. „Die sprühen einfach!“
"Eine Frau fabulierte vom BND, der sie mit Mikrowellen bestrahle. Für einen anderen war klar, dass das Sprühen der jüdischen Weltverschwörung anzulasten sei."

Lest den gesamten Artikel in der Berliner Zeitung.

Welche Verschwörungstheorie wäre denn eigentlich auf Berlins Verkehrskoordinatoren anzuwenden?

Freitag, 23. August 2013

Taxifahrer haben höchste Priorität

Nachdem ich gerade diese tollen Fahrgäste in der Nähe des Gendarmenmarkt abgesetzt hatte, meldete sich ein menschliches Bedürfnis. Nein, das hatte sich schon weitaus früher gemeldet, aber da hieß es noch durchhalten.

Nun, das Café Achteck am Gendarmenmarkt bot sich an. Dieses historische Pissoir am angeblich schönsten Platz Berlins gelegen hat mehrere Besonderheiten. Es  ist gendermäßig korrekt, auch Mädels dürfen und können da. Es gibt ein Handwaschbecken und eine Spülung. Aber darum soll es gar nicht gehen.

Ich fand einen wunderbaren Parkplatz und ging eiligen (sehr eiligen) Schrittes, schon fast in gebückter Haltung, auf die Erlösung zu, als mich ein junger Mann mit dem Satz: "Sind Sie jetzt frei" aufhielt. "Ööhm, nicht wirklich." und deutete auf das grüne Häuschen. Nicht sehr kundenfreundlich, ich weiß. Aber es gibt halt manchmal Dinge zwischen Himmel und Erde...

"Keine Eile" meinte er. Was es denn kosten würde, wenn ich diesen Blumenstrauß innerhalb der nächsten Stunde mit der Bemerkung: "Für die Hochzeit." im Ritz-Carlton abgeben würde,
Ich nannte ihm realistische 5 - 7 Euro. "Machen Sie Zehn." und drückte mir einen Fuffi in die Hand. Leicht unruhig nestelte ich meine Geldbörse aus der Hosentasche, gab ihm 40 zurück und verstaute den Strauß im Kofferraum. Und weg war der Kunde. Die Spekulationen, warum er nicht selbst den Strauß übergeben wollte, stellte ich erst mal zurück und konnte den Servicemann, der gerade in der Männerabteilung am Putzen war und zu diesem Zweck das Café abgesperrt hatte, davon zu überzeugen, dass ein Notfall vorlag.  

"Ein Taxifahrer? Busfahrer und Taxifahrer haben bei mir höchste Priorität. Gehen Sie kurz."

Soll ich jetzt noch erwähnen, dass dieser Tag ein äußerst zufriedenstellender war? Sogar beim Pinkeln gehen noch Geld verdient.

wtf Baustellen in Berlin

Neubau der Verkehrsverbindung Nordbahnhof - Hauptbahnhof / Änderung der Verkehrsführung Invalidenstraße


23.08.13, Pressemitteilung
Für den weiteren Bau der neuen Verkehrsverbindung Nordbahnhof - Hauptbahnhof werden Änderungen der Verkehrsführung am Knoten Chausseestraße / Invalidenstraße und im Bereich Invalidenstraße / Hessische Straße und Luisenstraße notwendig.
...
Für die Bauarbeiten wird unmittelbar an der Invalidenstraße eine Vollsperrung der Chausseestraße erforderlich. Ab 30. und 31. August 2013 wird wechselseitig zuerst die Südseite, später dann die Nordseite gesperrt. Die Chausseestraße wird zwischen Schlegelstraße und Invalidenstraße auf der Südseite bzw. zwischen Zinnowitzer Straße und Invalidenstraße auf der Nordseite Sackgasse, die Zufahrt für Anlieger wird aber gewährleistet. Insgesamt dauern die Arbeiten für die Tunnelsanierung sowie den Leitungs-, Straßen- und Gleisbau etwa 1 Jahr im Kreuzungsbereich Chausseestraße / Invalidenstraße.

Während der Bauzeit wird der Straßenverkehr in der Chausseestraße in beiden Fahrtrichtungen über Habersaathstraße – Scharnhorststraße/Schwarzer Weg – Invalidenstraße – Hessische Straße – Hannoversche Straße umgeleitet. Die Hessische Straße wird mit der Verkehrsumstellung am 29.08.2013 wieder für den Verkehr frei gegeben, gleichzeitig wird die Luisenstraße für den Verkehr an der Einmündung in die Invalidenstraße gesperrt. Die Invalidenstraße bleibt ab Hessischer Straße Richtung Osten weiter Einbahnstraße, das Abbiegen an der Chausseestraße ist nur in bzw. aus Richtung Wedding (bei Vollsperrung der Südseite), danach nur in bzw. aus Richtung Friedrichstraße (bei Vollsperrung der Nordseite) möglich.



Diese Änderung der Verkehrsführung steht in der neuesten Pressemitteilung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. (Hervorhebungen von mir)

Bitte liebe mitlesenden Kollegen und andere Berlinkundige, kann mir das mal jemand übersetzen und erklären, wie man nun von z.B. dem Pariser Platz nach Norden in die z.B. Müllerstraße kommt? Oder stehe ich hier völlig auf der Leitung?

Mittwoch, 21. August 2013

Ehrenbürger



Ich habe ganz, ganz früher mal indirekt für das ZDF gearbeitet. Da hatte sich die komplette Familie angesammelt. Anscheinend sind aber ein paar auf der Strecke geblieben.

Nachtrag:
Der hier ist aber auch nicht schlecht.

Berlins Parkstraßen, aua

Oh Mann, hätte mir das nicht jemand vorher sagen können, WIE kompliziert Berlin ist?

Eine Dame stieg ein, einen Zettel in der Hand. Sie müsse in die Parkstraße in Pankow. Die Parkstraße, die ich spontan zur Hand hatte, war die in Weißensee. Weißensee liegt im BEZIRK Pankow. Sie meinte aber, wie sich nachher rausstellte, den ORTSTEIL Pankow. Nach ihrer letzten Erfahrung mit der Taxianfahrt zu eben dieser Parkstraße, bei der ein Kollege mindestens 4 Parkstraßen mit ihr abgeklappert hatte und er ihr anschließend geraten hatte, das nächste Mal doch bitte die Postleitzahl bei der Hand zu haben, hatte sie diese auch dabei.
Und jetzt kam einer der großen Vorteile eines Navis richtig zum Tragen: Die Straßensuche nach PLZ.
Unterwegs erzählte sie noch von der Panke, die direkt hinter dieser Adresse vorbeifließt. Und da die Panke ein Hobby von mir ist (Bilderserie work in progress), hatte ich ihr jede Menge zu erzählen.Obwohl Ich nie von dieser Seite aus dort gewesen war, hatte ich nun auch eine grobe Ahnung, welche Parkstraße gemeint war. Sie war völlig begeistert von den neuen Informationen über Panke und Co und das schnelle Finden der richtigen Parkstraße.

Zu Hause habe ich mir die Parkstraßen in Berlin noch mal genauer angeschaut, vor allem wo der Kollege so mit ihr rumgegurkt sein könnte. Kein Vorwurf, das ist eine höchst komplizierte Angelegenheit.

Google Maps weist insgesamt 7 Parkstraßen aus, Kauperts sogar 9. Davon alleine schon 4 im BEZIRK Pankow. Und ein Klick bei Google auf die Parkstraße in Pankow zeigt nicht die gewünschte Straße an. Das ist die Parkstraße in Blankenburg, was auch zum BEZIRK Pankow zählt. Gemeint war diese, die bei Google in der Auswahlliste gar nicht angeboten wird.

Ein Hoch auf ein Navi und mein Pankehobby.

Dienstag, 20. August 2013

Die Tour des Monats...

... vielleicht des Jahres. Nein, das nicht. Die war vor 3 Wochen. Über die kann ich aber aus Datenschutzgründen nicht schreiben.

Auch diese Tour stellt mich vor gewisse Probleme und so werde ich versuchen, die Personen nicht identifizierbar zu machen. Ein Ehepaar aus der Schweiz steigt am Pariser Platz ein und zeigt mir einen Internetausdruck einer Firma mit einer Anschrift im tiefsten Osten der Stadt. Sie müssten sich dort ein paar Beispiele eines Stadtmobliars ansehen, das das Unternehmen herstellt.
Und der Betrieb liegt tatsächlich in einer Gegend, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Sie schauen sich besorgt das Umfeld an und dann kommt der von mir erhoffte Satz:

"Was kostet denn in Berlin die Wartezeit im Taxi?"

"Die Stunde 25 Euro."

"Haben Sie denn Zeit und können Sie auf uns warten? Wir müssen anschließend wieder zurück zum Gendarmenmarkt."

"Na klar."

Was soll ich sagen, beinahe 1,5 Std brauchen sie. Und die Uhr läuft.

Damit nicht genug, die Firma hat von den gewünschten Stadtmobiliargegenständen einige Beispiele in Berlin rumstehen, von denen wir noch 2-3 abklappern. Auf meine Frage, was sie denn mit diesen Gegenständen zu tun gedenken, erhalte ich die Antwort:

"Die sollen auf die Vorfahrt zu unserem kleinen Schlösschen."

Und schlagartig verschwindet dieses komische Gefühl, das ich immer habe, wenn ich Menschen so beim Geld rausschmeißen zuschauen muss. Und auch noch davon profitiere.

Zum Schluss runden sie den angefallenen Betrag sehr, sehr großzügig auf satte 80 Euro auf.

"Danke für Ihre Geduld und die umfangreiche Ortskenntnis."

"Aber bitte, gern geschehen.."

Montag, 19. August 2013

Popper sind die Punks von heute

Am Sonntagmorgen am Watergate steigt ein junger Mensch ein und will zur wilden Renate. Im breitesten schwäbischem Akzent meinte er nach ungefähr 200 Metern:

"I habb abber nur noch fenf Euro." (Ich habe aber nur noch fünf Euro)

"Das wird aber nicht ganz reichen."

"Mee habb i abber net." (Mehr habe ich aber nicht.)

"Und von was willst du das Eintrittsgeld bezahlen?"

"Woiß i no ned. I benn a Punk."  (Weiß ich noch nicht. Ich bin ein Punk[er].)

"Du willst ein Punk sein? Gekleidet bist du wie, äh, früher hat man Popper* dazu gesagt."

"Popper senn die Punks von heid." (Popper sind die Punks von heute.)

Okay, die letzten 200 Meter kann so ein Punk ja auch laufen. So was mache ich normalerweise nicht. Aber der ging mir mit seinem Getue ziemlich auf den Senkel.

*Das waren damals meine Erzfeinde. Junge Union und so ne Typen.



Aquarium

Zun 水族館 please. Ich hab's gefunden.


Glaubt ihr nicht? Bitte schön.

Die ganze Seite des japanischen Stadtplans 


Montag, 12. August 2013

Wahlkampf im Taxi

Wahlkampf mal anders. Ich hoffe nur, dass der norwegische Regierungschef Stoltenberg Fr. Merkel nicht auf dumme Gedanken bringt. Sonst werde ich vielleicht doch noch zum Kollegenschwein.


Hauptsache Schön...

Der vor mir positionierte türkische Kollege und ich standen neben unseren Wagen und quatschten über die aktuellen Straßensperrungen und den Verlauf der gerade durch Mitte ziehenden Demo. Wir betrachteten an diesem bisher so ereignislosen Arbeitstag die heranziehenden dunklen Wolken in der Hoffnung auf einen kräftigen Regenguss, als er plötzlich von einem aus dem Nichts auftauchenden älteren Ehepaar angesprochen wurde:

"Haben Sie ein Navi an Bord? Wir müssen zum Flughafen Schönhagen."

"Sie meinen Schönefeld? Dafür brauche ich kein Navi."

"Nein, Schönhagen."

"SchöneFELD!"

"Schönhagen. Wir müssen zum Flughafen Schönhagen. Der ist in Brandenburg."

"Ja, Schönefeld liegt in Brandenburg."

"SCHÖNHAGEN: Haben Sie nun ein Navi, oder nicht?"

Er hatte eins. Schade eigentlich. Laut Google Maps 44 Kilometer.


Mittwoch, 7. August 2013

Beförderungs- und sonstige Pflichten

Ich lud gerade vor dem KaDeWe meine Fahrgäste aus, da stand schon eine junge Dame neben meiner Taxe und wollte einsteigen. Ich verwies sie auf den direkt hinter mir stehenden Kollegen, der da in der regulären Taxischlange stand.

Sie bestand aber darauf:

"Ich will aber bei Ihnen mitfahren."

Es entspann sich ein kurzes Wortgefecht zwischen ihr und mir, das damit endete, dass sie wutentbrannt die Beifahrertür zuwarf und von dannen zog, nicht ohne mir noch einen Stinkefinger zu zeigen. 

Es gehört nun mal zu den ungeschriebenen Gesetzen der Taxibranche, dass der ausladende Kollege sich in der Schlange hinten anstellen muss und nicht von vorne weg laden darf. Soviel zum Thema Kollegialität.

Aber entspricht das auch der Taxiordung, wonach der Kunde die freie Wahl des Taxis hat? Und habe ich durch mein kollegiales Verhalten nun gegen irgendeine Verordnung verstoßen?

Und noch ein Problem, mit dem ich mich noch nie auseinander gesetzt habe:

Ich habe mich mitten in der Schlange mit einem Kollegen unterhalten, der einen VW Touran fährt, der bekanntermaßen Platz für bis zu sechs Personen bietet. Der wurde von einer 5er-Gruppe angesprochen, ob er sie mitnehmen könne und er verneinte. Auf meine Nachfrage bei hm antwortete er, dass er grundsätzlich nur bis 4 Personen transportieren würde und früher, bevor es diese Großraumfahrzeuge gab, hätten die Menschen halt 2 Taxen genommen. Er finde es unsozial, den Kollegen Kundschaft wegzunehmen.

Bezieht sich die Beförderungspflicht bei Taxen auf nur 4 Personen, bzw ist ein Fahrer eines Großraumwagens verpflichtet, die max. Anzahl von Personen zu befördern, die er laden kann und darf? Unabhängig davon, welchen Sinn es macht, einen Großraumwagen oder ein Bustaxi zu fahren und dann diesen Vorteil nicht auszunutzen.


Dienstag, 6. August 2013

Zum Nachtfahrer mutiert (2)

Dieses WE habe ich es wieder so gehalten, wie am WE zuvor. Auto stand zu Hause und diesmal hatte ich mir den Wecker gleich auf 3 Uhr gestellt. Und obwohl das jetzt nach Masochismus klingt, ich habe mich darauf gefreut. Ich finde das spannend so abseits der üblichen Routine. So mitten in der Nacht auf Berlins Straßen. Ich weiß zwar nicht genau, was man um diese Uhrzeit als Taxifahrer eigentlich macht, wo man seine Fahrgäste her kriegt, aber so schwer kann das nicht sein. Stimmt, ist im Grunde genauso zufällig, wie tagsüber auch.

Als ich um 4 Uhr am Sonntag mein Auto bestieg und der Himmel kurzzeitig seine Schleusen zu einem Platzregen öffnete, war mir schon klar, lange würde ich nicht auf Fahrgäste warten müssen.
Ich kam auch nur bis zur nächsten Ecke, als ein aufgeregter Fahrgast mir aus der Ankerklause (Beschreibung der Ankerklause hier) ins Auto sprang. Nur eine kleine Tour zur Jannowitzbrücke, aber das Gespräch war gut zum Aufwachen. Auf halber Strecke schon ließ der Regen nach und es tröpfelte nur noch ein wenig.


"Hmm, wenn ich das gewusst hätte. Bin ja nur mit dem Taxi gefahren, weil es regnet. Jetzt steht mein Rad dort vor der Ankerklause."

"Ja, da hast du jetzt Geld zum Fenster rausgeschmissen."

"Sag mal, wenn wir jetzt die gleiche Strecke wieder zurück fahren, sind wir doch wieder bei Null, oder?"

Kleine Scherze am frühen Morgen. Ich liebe es. Ernsthaft. Bringt mich zum Lachen. Und Lachen macht wach.

Trotz dieser zwei erfolgreichen Wochenenden, ich sehe meine Nachtfahrer Karriere hiermit als beendet an.

Montag, 5. August 2013

Kopfwackler

"Boah, was sind wir fertig. Drei Tage in Wacken."

"Und wie geht es euren Ohren?"

"Wie wat haste jesacht?

Die etwas despektierlichen Äusserungen der männlichen Fahrgäste über die BesucherInnen des Festivals  erspare ich euch lieber.

"Leute kucken, nur Leute kucken.
Wie gefällt Ihnen die Musik...? "


Donnerstag, 1. August 2013

Alt-Lübars und Tegeler Fließ

Es gibt in Berlin 34 (nach Kauperts) Straßen, die mit Alt Bindestrich beginnen. Das ist auf die Geschichte Berlins zurückzuführen. Bei der Gemeindereform zur Bildung "Groß-Berlins" wurden  am 1. Oktober 1920 sieben umliegende selbstständige Städte sowie 59 Landgemeinden und 27 Gutsbezirke aus den Landkreisen Niederbarnim, Teltow und Osthavelland in die Stadt Groß-Berlin eingemeindet. Und viele haben sich den alten Dorfkern erhalten bzw weist das Alt- daraufhin, dass hier einmal der Dorfmittelpunkt war.

So sind auch die Vielzahl von Berliner Straßen innerhalb Berlins zu erklären, die von den Dörfern nach Berlin hinein führten.

Oft sind heute noch die alten Dorfstrukturen zu erkennen:

Im Zentrum der Dorfplatz, links und rechts eine (manchmal heute noch) kopfsteingepflasterte Straße. In der Mitte die Dorfkirche. Mindestens eine Dorfkneipe und vielleicht ein altes Schulgebäude. Auch das herrschaftliche Wohnhaus des einstigen Großgrundbesitzers liegt oft direkt an dieser Hauptstraße.

Ein typisches Beispiel für diese alte Dorfstruktur findet man in Lübars (lesen, ausführliche Dorfchronik). Die Straße Alt-Lübars mit ihrer barocken Dorfkirche weist alle diese Merkmale heute noch auf. Lübars liegt im Bezirk Reinickendorf, zu dem auch der Ortsteil Tegel mit dem Noch-Flughafen gehört.

Lübars eignet sich auch sehr gut als Ausgangspunkt für einen ausgedehnten Spaziergang in das Tegeler Fließ mit z.B. dem Eichwerder Steg. Dort hat der NABU einen Naturlehrpfad eingerichtet. Hier ein weiterer Link zum NABU (pdf) mit Geschichte und Erklärungen zum Eichwerdersteg. 

Leider hat uns auf dem Weg zum Tegeler See ein Gewitter überrascht und wir mussten unseren Ausflug mit dem Bus beenden. Das ist ja das Praktische eines innerstädtischen Ausflugs.

Ziel war eine weitere Alt Bindestrich Straße: Alt-Tegel. Dort fanden wir uns im alten West-Berlin wieder. Eine Straße, die bis direkt zum Tegeler See führt, an der sich, wie an einer Perlenkette aufgereiht, viele Kneipen und Restaurants finden. Mit schlechtem Service und einer nicht vorhandenen Besucherfreundlichkeit.

Aber sogar hier finden sich Spuren einer alten Dorftruktur. 

Aber zurück nach Lübars.
Der alte und immer noch Dorfplatz

Die dazugehörige Dorfkneipe
Die unvermeidliche Kirche
Die ehemalige Schule
Man munkelt, es würden in Lübars mehr Pferde als Menschen leben. Im Hintergrund das Tegeler Fließ
Grün, im Sommer die überwiegende Farbe
Der Eichwerder Steg im Tegeler Fließ
Nachtrag, 1.8.2013 10:09 Uhr
Also, manchmal... Die taz hat Lübars auch gefunden.

Mittwoch, 31. Juli 2013

Alleinige Verantwortung?

Wieso bietet sich eigentlich ein Taxi an, um alles mögliche in ihm zu vergessen oder zu verlieren? Was ist das für ein Phänomen?
Die folgenden Vorfälle ereigneten sich in den letzten drei Schichten:

Ein Australier verlor seine komplette Brieftasche auf dem Vordersitz, sie fiel in den Fußraum, ausserhalb meines Sichtbereichs. Ich habe nach ihrer Entdeckung meine gute Position in der Schlange aufgegeben und sie beim nächsten Polizeirevier abgegeben.

Ein Radfahrer winkte und mein Einwand, mit Fahrrad ginge nicht, ließ er nicht gelten, sondern ein "No problem" und er montierte kurzerhand Vorder- UND Hinterrad ab und verstaute die drei Einzelteile bequem im Kofferraum. Sein Fahrziel war ein Club in Friedrichshain und dort vor der Tür traf er einen Kumpel. Schnell bezahlt und rüber zum Kumpel. Für meinen Hinweis: "Do you still need your bike?" war er dann aber doch noch dankbar. Er war schon fast im Club drin.

Vater und Sohn, mit zwei Koffern wollten zum Museum für Technik. Koffer hinten rein und es entspann sich ein nettes Gespräch über Berlin, das Museum ihrer Wahl und überhaupt, Mauer und so, wollte er seinem Sohn nahe bringen. Und ich konnte mit ein paar Jahreszahlen weiterhelfen. Vor dem Museum noch ein bisschen gequatscht, gezahlt und ausgestiegen.

Wieder zurück am Ausgangspunkt, meiner Stammhalte. Kurz mit einem Kollegen gequatscht und zum Kofferraum, um mir eine Stulle zu holen. SCHEISSE.
Die Koffer.
Wieder zurück zum Museum. Da saß der Sohn vor dem Eingang, der Vater war nicht zu sehen. Ein aufgewecktes Kerlchen, der Sohn.

"Ich soll ihnen 10 EUR Trinkgeld geben." und reichte mir einen Zehner rüber.

Ich sehe es nicht in meiner alleinigen Verantwortung dafür zu sorgen, dass das, was eingeladen wurde auch wieder ausgeladen wird. Aber dass Fundsachen abgegeben werden ist meine Pflicht.
Liebe Leute, lasst ihr eigentlich im Bus, im Flugzeug, in der Straßenbahn, im Restaurant, im Kino auch so viele Dinge liegen? Für uns Taxifahrer ist das immer eine umständliche Rennerei.

Montag, 29. Juli 2013

Zum Nachtfahrer mutiert

Nein, nein, ich werde nicht über die Hitzewelle, die gerade über Deutschland liegt, schimpfen.

Aber ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche Maßnahmen.
Normalerweise klingelt am Wochenende mein Wecker um 4 Uhr 30. Dann bin ich so gegen halb Sechs am Ablöseplatz und treffe ab und zu noch meinen Nachtfahrer. Der befindet sich momentan aber im Krankenstand und so hatte ich mein Auto Samstag zu Sonntag vor der Haustür stehen.
Als ich dann nachts um 3 kurz aufwachte, ging mir das Gespräch mit der Kollegin vom Vortag durch den Kopf. Sie wollte schon am Samstag ganz früh aufstehen, um zur Mittagshitze schön auf dem Balkon liegen zu können. Hat dann aber doch verpennt. Aber gute Idee. Und noch was ging mir durch den Kopf. Dazu aber später mehr.

Also, raus aus den Federn und arbeitsfertig gemacht. Morgens um 3 Uhr. Das Auto steht ja vor der Tür und wartet darauf, Geld verdienen zu können.

Und hier kam mir das zweite Gespräch in den Sinn. Das hatte ich schon vor langer Zeit, noch bei meiner ersten Taxibude. Und zwar mit meinem damaligen Chef. Der war  alkoholkrank und und bei ihm folgte eine Therapie der anderen, eine Klinik der nächsten. Hat alles nichts genützt, die Firma ging in die Pleite. Ich habe ihn nur einmal kurz gesehen und er versuchte mir sein Scheitern mit den Worten zu erklären:

"Weißt du, wenn ständig ein Wagen vor der Tür steht, der gefahren werden will, das macht dich krank und so fängst du an dich zu besaufen."

Ich kann bis heute den Zusammenhang zwischen Saufen und Verantwortung für ein Unternehmen nicht ganz nachvollziehen. Aber schlafen konnte ich auch nicht mehr! Und so kam es, dass ich morgens um 4 schon auf der Straße zu finden war.

Und was soll ich sagen, der Plan ist aufgegangen. Die erste Tour führte mich gleich mal nach Frohnau. So ein Nachtfahrer kriegt wohl öfter mal die dicken Touren. Aber es ging auch später so weiter (zweimal nach SXF), mit einer gehörigen Portion Glück hatte ich mein Tagesziel ziemlich schnell erreicht.

Und als dann das Thermometer die 36°C anzeigte, saß ich entspannt im Café.





Was läuft falsch in den Köpfen so mancher Kollegen?

Die Woche beginnt mit Geschichten über Kollegen.

Arschgesicht 1:
Der Kollege, der mir meine Taxe mit Tank auf Reseve abgestellt hat.

Arschgesicht 2:
Der Kollege, der eigentlich schon in Rente ist.

"Boah, muss ich dir erzählen. Da habe ich einen Juden nach Schönefeld zur El-Al gefahren. Der wollte nach Israel. Fahrpreis wie immer 32 Euro. Und der gibt mir 45. Ein JUUUDE."


"Gutes Trinkgeld. Aber wieso betonst du Jude so?"

"Na, Juden sind doch bekannt für ihre Knausrigkeit und Sparsamsamkeit."

antwortete er mit einer Betonung auf: Du Dummerchen. Das weiß man doch.

"Also ich bin auch vor 2 Jahren mit El-Al von Schönefeld nach Israel geflogen. Und mit dem Taxi zum Flughafen gefahren. Woher weißt du, dass es ein JUDE war? Es gibt christliche, muslimische, säkulare Israelis. Jude ist man fast ausnahmslos erst dann, wenn die Mutter Jüdin war."

"Das sieht man doch. Ich erkenne einen Juden."

Dass so eine gequirlte Scheisse immer noch in so manchen deutschen Köpfen herumspukt.

Montag, 22. Juli 2013

Olle Lamellen

Das ältere Ehepaar gab mir die Johannisstraße als Fahrziel an.

Johannisstraße, Johannisstraße, Johannisstraße? Ich wusste ganz genau, dass ich diese Straße kenne, ja vermutlich sogar sehr gut. 

Es dauerte ein paar Sekunden bis es klick machte. Natürlich, da hast du vorletzte Woche noch einen Spaziergang gemacht. So was ärgert mich immer ungemein. Genau zu wissen, da warst du schon des Öfteren, aber wo genau war das noch mal? Mein körpereigenes Navi braucht manchmal etwas länger als die technischen Apparillos, funktioniert dafür aber auch ohne GPS-Empfang. Ich glaube, davon kann jeder Taxifahrer ein Lied singen.

(Nicht dass ich nicht auch ein Navi eingebaut habe. Ist schon eine hilfreiche Sache.)

Das schönste Haus in der Straße soll es sein. Mir schwante was. Beim erwähnten Spaziergang zückte ich die zufällig mitgeführte Kamera, weil da ein dermaßen hässliches Gebäude rumstand, das schrie gerade zu danach, auf dem Kamerachip landen zu wollen.

Volltreffer. Beim Aussteigen raunte ich dem neben mir sitzenden Fahrgast zu: "Mein Gott, ist das hässlich." Durch ein leichtes Kopfnicken bestätigte er mein Ästhetikempfinden.

"Eine vorgehängte Lamellenfassade greift in seiner plastischen Gestaltung das Thema der Landschaft in der Stadt auf"
(Hervorhebung von mir)
 Hui, was so ein paar olle Lamellen alles können.