Mittwoch, 7. August 2013

Beförderungs- und sonstige Pflichten

Ich lud gerade vor dem KaDeWe meine Fahrgäste aus, da stand schon eine junge Dame neben meiner Taxe und wollte einsteigen. Ich verwies sie auf den direkt hinter mir stehenden Kollegen, der da in der regulären Taxischlange stand.

Sie bestand aber darauf:

"Ich will aber bei Ihnen mitfahren."

Es entspann sich ein kurzes Wortgefecht zwischen ihr und mir, das damit endete, dass sie wutentbrannt die Beifahrertür zuwarf und von dannen zog, nicht ohne mir noch einen Stinkefinger zu zeigen. 

Es gehört nun mal zu den ungeschriebenen Gesetzen der Taxibranche, dass der ausladende Kollege sich in der Schlange hinten anstellen muss und nicht von vorne weg laden darf. Soviel zum Thema Kollegialität.

Aber entspricht das auch der Taxiordung, wonach der Kunde die freie Wahl des Taxis hat? Und habe ich durch mein kollegiales Verhalten nun gegen irgendeine Verordnung verstoßen?

Und noch ein Problem, mit dem ich mich noch nie auseinander gesetzt habe:

Ich habe mich mitten in der Schlange mit einem Kollegen unterhalten, der einen VW Touran fährt, der bekanntermaßen Platz für bis zu sechs Personen bietet. Der wurde von einer 5er-Gruppe angesprochen, ob er sie mitnehmen könne und er verneinte. Auf meine Nachfrage bei hm antwortete er, dass er grundsätzlich nur bis 4 Personen transportieren würde und früher, bevor es diese Großraumfahrzeuge gab, hätten die Menschen halt 2 Taxen genommen. Er finde es unsozial, den Kollegen Kundschaft wegzunehmen.

Bezieht sich die Beförderungspflicht bei Taxen auf nur 4 Personen, bzw ist ein Fahrer eines Großraumwagens verpflichtet, die max. Anzahl von Personen zu befördern, die er laden kann und darf? Unabhängig davon, welchen Sinn es macht, einen Großraumwagen oder ein Bustaxi zu fahren und dann diesen Vorteil nicht auszunutzen.


Kommentare:

  1. Also eigentlich hat der Gast die freie Wahl des Autos. Es ist wohl üblich, dass man das erste Auto der Schlange nehmen soll, aber schlussendlich darf der Gast entscheiden, wenn ihm das Aut/Fahrer vorne nicht gefällt.

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    1. Es ist alles richtig was Du schreibst. Andererseits stamd ich im geschilderten Fall nicht auf einer regulären Taxihalte, sondern davor. Und ich empfinde es als äusserst unkollegial von dort gleich wieder einzuladen. Darum ging es mir.

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  2. Das gilt nur für Taxis, die sich "bereit" halten und das sind halt fahrende Taxis, die mit ihrem leuchtenden Dachschild ihre "Bereit"schaft signalisieren oder Taxis, die sich an einem Taxistand "bereit"halten. Aber für besetzte oder gerade frei werdende Taxis gilt das nicht. An der Tankstelle oder bei einer Kaffeepause halte ich mich ja auch nicht bereit. Übrigens hat bei uns in Würzburg schon mal ein Taxler einen Strafzettel bekommen weil er sich auf einem Taxistandplatz für 3 Taxis hingestellt hat und kurz wegging. Begründung Parken auf einem Taxistandplatz ohne Bereithaltung.

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    1. Einen Strafzettel halte ich für übertrieben, aber bei uns gibt es vor Hotels mehrere Halten, die mitels einer Nachrücke von dem Hotel getrennt sind. Ich finde es manchmal nervig, wenn Kollegen sich auf die Halte stellen, verschwinden und sich dann auch noch beschweren, wenn vom Hotel die Kollegen rüber gerufen werden, weil vorne keiner mehr steht.

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  3. Also als Ausladender würde ich die Fahrgäste auch zu den wartenden Kollegen schicken. Da finde ich, dass gilt, was Du schon erläutert hast: Man steht in diesem Moment ja nicht AM Stand. Inwieweit die freie Taxenwahl auch über den Stand hinaus ausgelegt werden kann, weiß ich allerdings auch nicht.

    Bei den Großraumtaxen sehe ich jetzt auch nicht unbedingt eine Verpflichtung, wobei ich die Begründung des Kollegen schon für dürftig halte. Immerhin entscheiden sich dann auch viele gegen ein Taxi, so dass am Ende die Fahrer nicht unbedingt gewinnen, wenn er die Fahrt mit 5 oder 6 Leuten verweigert. Und was zudem vergessen wird, sind die kurzen Touren:
    Mit 6 Leuten lohnt sich eine 6€-Tour dank der 3 € Zuschläge schon wieder recht gut. So wie die meisten Kollegen bei Kurztouren rumjammern, will ich mir deren "Dankesreden" nicht anhören, wenn die ersten beiden in der Schlange meiner Verweigerung wegen diese Fahrten bekommen. :D

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    1. Mit dem Touran-Kollegen habe ich eine Zeit lang diskutiert über evt. bestehende Pflichten.
      Getern habe ich mir die Finger wund gegoogelt und nichts gefunden. Heißt für mich, gibt keine Pflichten.

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  4. Hier ein Hinweis in Richtung Touran. Die Beförderungspflicht wird formuliert, BEVOR es im Einzelnen um Taxis geht. Deshalb gilt sie für alle.

    § 22 Beförderungspflicht
    Der Unternehmer ist zur Beförderung verpflichtet, wenn

    1.
    die Beförderungsbedingungen eingehalten werden,
    2.
    die Beförderung mit den regelmäßig eingesetzten Beförderungsmitteln möglich ist und
    3.
    die Beförderung nicht durch Umstände verhindert wird, die der Unternehmer nicht abwenden und denen er auch nicht abhelfen kann.

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    1. Und, muss ein Touranfahrer nun 6 Personen befördern oder nicht?

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    2. Na klar muß er, wenn er 6 Sitze hat, denn dann treffen alle 3 Punkte zu.

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  5. Du bist in erster Linie Dienstleister und kein Richter. Mit dem Hinweis auf den Kollegen hast du den ungeschriebenen Gesetzen genüge getan. Nach dem Hinweis der Dame "Ich will aber bei Ihnen mitfahren.", hätte sich eigentlich jede weitere Diskussion verbieten müssen. Welchem Zweck sollte sie auch dienen? Die Frau wollte mit dir fahren und mit niemand anderem, und sie wird ihre Gründe gehabt haben. Vielleicht hatte sie es auch einfach nicht weit. Wäre doch interessant gewesen, das mal herauszufinden. Deinen Streit mit der Frau kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Und unzufriedene Kunden (Stichwort Stinkefinger) gibt es wahrlich schon genug.

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    1. Ja, ich bin Dienstleister und ich denke sogar ein guter. Das verpflichtet mich aber nicht, zum Kollegenschwein zu werden. Kurze Strecken sind für mich kein Thema.
      Ausserdem sollte, wenn Du schon ein Bloggerprofil verwendst auch ein Profil dahinter sein.

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    2. Eigenlob stinkt für gewöhnlich, aber das muss jeder für sich entscheiden. Wie bereits gesagt, für mich wärest du nicht zum Kollegenschwein geworden - ganz im Gegenteil! Vermutlich hättest du dem Kollegen hinter dir eine kurze Strecke erspart.
      Übrigens Danke für den Hinweis mit dem Profil. Letztendlich ist das aber meine Entscheidung, genauso wie es die Entscheidung der Frau war, in deine Taxe zu steigen. Was mich in diesem Zusammenhang interessiert, woher dieser Hang zum Preussischen bei dir kommt?

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    3. Sollte es tatsächlich nur eine kurze Strecke gewesen sein um die es ging, das hätte der Kollege ja nie erfahren. Für ihm wäre es eben nur ein Kollegenschwein gewesen, der ihm eine Fahrt klaut. Und nur eine kurze Fahrt, das hätte die Dame ja auch mal erwähnen können. Tat sie aber nicht.

      Zu den preussischen Tugenden:
      Wenn mich mein Gefühl nicht täuscht, bist doch gerade Du es, der mangelnden Integrationswillen bei "Zugereisten" (in meinem Fall vor 30 Jahren) kritisiert. Also was nu?

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  6. Wie bereits geschrieben: Wir sind Dienstleister, und unser König ist der Kunde, wie man so schön sagt, und eben nicht der Kollege. Wenn dir aber so viel an dem Kollegen gelegen war, was ich dir hoch anrechne, so hättest du, bevor du mit der Frau losgefahren wärest, kurz zu ihm gehen können - er stand direkt hinter dir, wie du schreibst - um ihm mitzuteilen, daß die Dame mit dir fahren will und nicht mit ihm, was er mit Sicherheit verstanden hätte.

    Ich weiß nicht, weswegen du nach Berlin gekommen bist, du schreibst es nicht. Aber es soll wirklich Leute gegeben haben, die wegen Berlin nach Berlin gekommen sind, und zwar wegen dem Lebensgefühl in der Stadt. Das war einmal "Alles ist möglich", du erinnerst dich vielleicht, was mit den preussischen Tugenden, zumindest meines Wissens nach, nicht allzu viel am Hut hat. Aber vielleicht weißt du mehr ...

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    1. Auch ein König kann 4-5 Meter weiter gehen, den Daumen raushalten und sich eine Kurzstrecke winken. Dafür gibt es diesen Tarif.
      Der Kunde ist König. Warst Du schon mal am Flughafen? Anscheinend nicht.
      Und ich hätte nicht gedacht, dass ich wegen dieses Posts über preussische Tugenden, meine Gründe nach Berlin zu ziehen (was niemanden der sich hinter einem Synonym versteckt etwas angeht) diskutieren muss.

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    2. Ich erlaube mir, dich ein letztes Mal darauf hinzuweisen, daß wir Dienstleister sind, und daß ich aus dem, was du schreibst, keinen Grund ersehen kann, sich mit der Dame derart zu streiten - selbst vorm KaDeWe nicht. Die wollte doch einfach nur Taxi fahren, und zwar mit dir!

      "Auch ein König kann 4-5 Meter weiter gehen, den Daumen raushalten und sich eine Kurzstrecke winken", ist nicht nur alleine vom Tonfall her so ziemlich das Gegenteil von dem, was der Fahrgast von einem kundenorientierten Dienstleister erwartet, sondern vor allem in diesem Fall völlig unzutreffend, weil du gar nicht weißt, ob die Dame Kurzstrecke fahren wollte, da du es vorgezogen hast, dich mit ihr zu streiten.

      Dir scheint der Unterschied zwischen "Pseudonym" und "Synonym" nicht klar zu sein. Ich vermute aber, daß du eigentlich "Anonym" meintest. Da kann ich dich beruhigen, das bin ich ganz und gar nicht.

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    3. @TaxiBerlin & Klaus
      Ich will mal versuchen, mich irgendwie einzubringen:
      In Dresden ist es zum Beispiel "verboten", in Sichtweite eines Taxistandes Kunden zu laden. Bei uns hätte sich ein "Weglader" also eine Strafe eingefangen. Selbst die Ansage "Ich will aber bei ihnen mitfahren" wäre dann nichts weiter als die Aufforderung zu einer Ordnungswidrigkeit. Warum aber sagt sie das, obwohl sie Klaus nicht kennt und wahrscheinlich auch das Taxi nicht sonderlich heraussticht? Könnte es vielleicht sein, daß sie zu faul oder zu ... - nun ja, ihr wißt schon - ist, um noch 5 Meter zu laufen? Die nachfolgend per Finger angezeigte Kinderstube deutet darauf hin.
      Eines habe ich nicht ganz verstanden: Ist mit dem Lebensgefühl "Alles ist möglich" gemeint, "Jeder macht, was er will"?
      Ein Dienstleister ist halt ein Dienstleister und nicht ein Spucknapf für Möchtegern-Könige, deren Zepter der Mittelfinger ist.

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    4. @TaxiBerlin
      Richtig, das war der falsche ausdruck. Amen.

      @Bernd
      Wir haben in Dresden mal einen Kollegen von ganz hinten angesprochen, da wir nur eine kurze Strecke zu vergeben hatten. Der hat uns mit NACHDRUCK an den Ersten verwiesen. Irgendwie gehen die Uhren in Dresden etwas anders. ;-)

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  7. Wenn ihr ihm gleich gesagt habt, daß ihr kurz fahrt, kann ich das natürlich verstehen. ;-)
    Ihr habt dort ja sogar mal einen Kollegen vollkommen außer der Reihe "benutzt"! Erinnerst du dich? :-)

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  8. Was für eine Diskussion?!?!?!?!

    Ich würde auch auf den Kollegen am Stand verweisen, schliesslich wartet der da, unter Umständen schon ziemlich lange, und Ich wäre sicher auch sauer hätte Ich dort gewartet und ein anderer hätte mir meine Fahrgäste geklaut.

    Lieber Krach mit nem Fahrgast als mit nem Kollegen. Oder?

    Meine Frage: Hattest du die Fackel an?

    Grüße aus Kaiserslautern

    Philipp

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    1. Tagsüber ist die Fackel nicht wirklich sichtbar. Und natürlich war die Fackel noch aus, da ich ja noch beim Bezahlvorgang und Ausladen war.

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