Dienstag, 9. November 2010

Nicht die Laune vermießen lassen

Es gibt Arbeitstage, an denen wird die gute Laune wirklich auf eine harte Probe gestellt.
Ich stehe mal wieder am Pariser Platz als zweiter auf der Rücke und unterhalte mich mit dem  Kollegen vor mir. Dieser Kollege ist einer der (gar nicht so seltenen) Exemplare, die nur eine Halte kennen, nämlich genau diese. Wir stehen neben dem Auto, rauchen und quatschen. Da sehe ich einen der Doormen dieses vornehmen Hotels dort, quer über den halben Platz laufen, genau in unsere Richtung. Er sprach dann den Kollegen an, mit der Bemerkung: "Dich kenne ich, zu dir habe ich Vertrauen. Kannst du mal nach Schönefeld zum Flughafen fahren und einem Gast von uns das in die Hand drücken?" und überreicht ihm einen Briefumschlag. "Der hat sein Handy hier vergessen." Schöne Sache das, für rund 35 € ein Handy spazieren fahren. Zu mir meinte der Doorman noch: "Wenn ich ihn nicht gesehen hätte, hätte ich mich an dich gewandt." Schwacher Trost, aber na ja, immerhin kennt man mich dort schon.
Ich musste mich also bis nach vorne kämpfen und als ich vorne der zweite war, lud der Kollege vor mir zwei Koffer ein und ich konnte noch das Fahrziel des Kunden hören: "Flughafen Schönefeld". Ich kriegte dann die Tour zum Deutschen Historischen Museum.
Da ich ja eine zweite oder dritte, zur Not auch noch eine vierte oder gar fünfte Taxihalte in Berlin kenne, ergab es sich im weiteren Verlauf des Vormittags, dass es mich an die Halte vor dem Ritz-Carlton verschlug. Sah vielversprechend aus, nur drei Kollegen vor mir. Es dauerte allerdings fast eine dreiviertel Stunde, bis sich ein Fahrgast entschloss meine Dienste in Anspruch zu nehmen. Und zwar genau zweimal um die Ecke, zum Hotel Maritim wollte er. Hmm. Okay, das kann ja heute nicht so weitergehen, also noch mal am Potsdamer Platz vorbei. Wieder stehen nur drei Taxen an der Halte. Wieder dauert es eine dreiviertel Stunde - und wieder geht es, na, genau zum Hotel Maritim.
Nichts gegen ab und zu mal eine kurze Tour, die müssen auch gefahren werden. Und auch ohne Meckern, das gehört einfach zum Job dazu! Aber dass diese Serie nicht unbedingt zu einer euphorischen Stimmung meinerseits beigetragen hat, kann man sich vielleicht vorstellen.
Und siehe da, der Gesamtumsatz am Ende desTages war dann aber doch, sagen wir mal annehmbar bis gar nicht so schlecht. Eigentlich sogar ganz gut.
Und die Moral von der Geschicht': Verfrühtes Schimpfen lohnt sich nicht.

Kommentare:

  1. vielleicht solltest du einfach mal die gegend wechseln; das schreit dort doch alles nach kurzen touren! adlon ist doch echt was für masochisten...

    AntwortenLöschen
  2. @mime
    Zeig mir mal die "Gegend", in der ich garantiert immer weite Touren kriege. Wenn ich zu bedenken geben darf, dass ich bei den zwei erwähnten Touren vom Adlon aus immer nur jeweils eine Position weiter vorne hätte stehen müssen...
    Ich finde das Adlon ist schon soweit okay. Ich fahre lieber ein paar kurze Touren schnell hintereinander, als irgendwo in Spandau (z.B.) einen ganzen Roman auslesen zu können. Das oben geschilderte war aber schon extrem hart. Deshalb habe ich es auch aufgeschrieben.

    AntwortenLöschen
  3. das werd ich dir doch nicht verraten wo ich jeden nachmittag meine 4 scheine einfahre:-)))

    AntwortenLöschen
  4. @mime
    das dachte ich mir doch gleich. ;-)

    AntwortenLöschen