Freitag, 8. Mai 2009

Erster Arbeitstag

Vor über vier Jahren habe ich angefangen, Taxi zu fahren. Es war ein trüber Februarsonntag. Es war kalt und schmuddelig, aber trotzdem hatte ich einen Schweißausbruch nach dem anderen. Also, wohin nun mit mir und meinem Taxi? Ich entschied mich für den Ostbahnhof. In aller Herrgottsfrühe um 6:00 Uhr! Und so hat es auch über eine Stunde gedauert, bis ich meine ersten Fahrgäste begrüßen durfte. Skiurlauber wollten nach Hause in die Modersohnstr. Eine ungefähr zwei Kilometer lange Tour.
Anschließend wieder zurück zum Ostbahnhof. Da waren inzwischen wesentlich mehr Taxen als zuvor. Aber irgendwann war ich dann der Erste.
Hoffentlich steigt jetzt keiner ein! Hilfe!
Natürlich stieg dann doch einer ein. Sein Fahrziel: Flughafen Tegel. Ich glaube, mir war schon bewusst, dass das eine gute Tour ist. Mit schweißnassen Händen habe ich am Navi gefummelt und bin mit zittrigen Knien losgefahren. Mein Fahrgast war ein sehr verständnisvoller Geschäftsmann auf dem Heimweg. Er hat mir ein bisschen die Nervosität genommen, indem er mir von seinen ersten Arbeitstagen in verschiedenen Jobs erzählte. Also war ich jetzt für die Dauer dieser Tour erstmal halbwegs den Stress los. Ohne Umwege habe ich dann den Flughafen gefunden.
Aber jetzt? Wohin?
Am Flughafen konnte ich nicht bleiben. Da muss man als Taxifahrer Eintritt bezahlen, um Fahrgäste einzuladen. Soviel wusste ich schon.
Ich bin dann noch auf dem Flughafen kurz mit einem Kollegen ins Gespräch gekommen, dem ich von meinem ersten Arbeitstag erzählte. Nie werde ich sein breites, etwas mitleidiges Grinsen vergessen. Er kam aber mit dem Tipp: Sonntags - Hotels und Bahnhöfe - rüber. Hotels! Gute Idee. Ich kannte aus der Schulung eine Straße mit vier Hotels nebeneinander.
Nichts wie Hin! Dort angekommen - Grabesstille. Und überhaupt, wie krieg ich denn jemanden dazu, in meine Taxe einzusteigen? Und wollte ich das wirklich?
Mein Ausbilder zum P-Schein hat zwar gute Arbeit geleistet, was die Ortskenntnis anbelangt, aber vergessen, mir zu erklären, wie man zu Aufträgen kommt. Funken habe ich mich ja auch noch nicht getraut. Ich fuhr die Straße immer wieder auf und ab, bis mal ein Mensch mit Koffer aus einem der Hotels rauskam. Den habe ich dann gleich eingesackt und ab dafür. Das ist bis heute das einzigemal geblieben, dass ich einem Kollegen eine Fahrt geklaut habe.
So, oder ähnlich verlief der Rest des Tages und am Feierabend hatte ich 85 Euro in der Kasse und etliche Nerven weniger (vermutlich haben die Nerven meiner Fahrgäste auch etwas gelitten)
Mann, Mann, Mann.

(Beim Schreiben dieses Beitrages überkam mich nochmal eine richtige Gänsehaut)

Kommentare:

  1. Ohh, das mit der Gänsehaut kann ich nachvollziehen! Meine erste Tour führte unter der Woche nachmittags um 15 Uhr etwa vom Berghain - da hat mir mein Kollege die letzten Kleinigkeiten wie die Alarmanlage gezeigt - in die Friedrichstr. Immerhin musste ich nicht am Ostbahnhof lange warten, weil die Kunden direkt auf dem Parkplatz (wo kamen die eigentlich her?) auf mich zukamen, und mich fragten, ob ich frei sei. Aber nicht nur, dass ich nicht wusste, wo ich eigentlich so ganz genau bin - auch mein Navi hat das Industriegebiet noch nicht drin. Dann bin ich erstmal in die völig falsche Richtung gefahren, weil ich das Navi noch nicht mal ablesen konnte (hatte als Einstellung nur eine genordete Karte und keine Pfeile drin). Beim Zahlen hab ich dann noch das Wechselgeld fallen lassen usw... so eine richtig "typische" erste Fahrt...
    Naja, aber die grundsätzliche Nervosität hat sich glücklicherweise binnen 2 Tagen gelegt. Außer in Ausnahmesituationen - das hat natürlich länger gedauert.
    Aber wenn ich an die erste Fahrt zurückdenke: Brrr!

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  2. @sash
    Brr,ja bei mir hat es noch etwas länger gedauert als 2 Tage, dass ich an der Halte stehend gehofft habe, dass keiner einsteigt.;)
    Ob man vielleicht noch mehr Geschichten von Taxifahrern zusammen bekommen könnte, die ihren ersten Arbeitstag schildern?

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  3. Oh ja, da mach ma ein "Stöckchen" draus ... ich poste mal über's Wo-Ende was zu meinem 1. Arbeitstag, sofern mich mein Gedächtnis nicht im Stich läßt. An meine 1. Taxifahrt kann ich mich noch erinnern, aber an den Rest ? Mal nachgrübeln. :)

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  4. @trixi
    ja, erste Fahrt würde reichen! So wie ich das mitgekriegt habe, weiß eigentlich jeder Taxifahrer seine erste Fahrt noch. Auch wenns schon zwanzig Jahre her ist.

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  5. Wäre bei entsprechender Beteiligung fast schon ein Buch wert :)

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  6. @Klaus:
    Was ich eigentlich noch schreiben wollte: Bei mir hat das tatsächlich nicht arg viel länger als bis zur zweiten oder dritten Fahrt gedauert. Irgendwie ist bei mir da sowas wie ein Jagdinstinkt zum Vorschein gekommen. Ich hab mir gedacht: "Hey, einen haste jetzt - wo ist der nächste? - den erwisch ich auch noch..."
    Komisch, aber ich bin froh drum :)

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  7. @sash
    Beneidenswert. Ganz ehrlich: Ich bin heute noch manchmal etwas nervös, z.B. wenn ich in einer Gegend bin, in der nicht so 100%ig fit bin.
    Aber Du bist ja auch noch ein bisschen jünger, da nimmt man das Leben noch nicht so ernst. :-)

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