Dienstag, 25. September 2012

(Kinder) Sicherung

Immer wieder ein Thema, auch unter den Taxikollegen: Kindersicherung hinten links. Ein oder aus? Ich gehöre zur EIN-Fraktion. Normalerweise. Aber mein Nachtfahrer gehört zur anderen und nimmt sie jedesmal wieder raus.
So kommt es vor, dass ich bei Arbeitsbeginn ab und an mal vergesse, Fahrgäste vor sich selbst, andere Autofahrer vor Fahrgästen und überhaupt alle Verkehrsteilnehmer vor einem unachtsamem Öffnen der hinteren linken Tür zu schützen. Und eigentlich sollte man zum Schutz der Radfahrer auch die rechte Tür verriegeln. Aber ganz möchte ich meine Fahrgäste doch nicht einsperren.
Am Samstag hatte ich wieder vergessen, die Kindersicherung rein zu machen.

Ich hatte Fahrgäste zum KaDeWe und wer jemals versucht hat, an einem Samstagmorgen dort einen anständigen Platz zum Ausladen seiner Fahrgäste zu suchen, der weiß, wie es dort aussieht. Vor der Taxihalte, also fast direkt vor dem Kaufhaus, sind ungefähr 2 Meter Sperrfläche. Links davon ist die Busspur. Dort kann man, so ein bisschen schräg stehend, seine Fahrgäste ausladen, immer in der Hoffnung, dass der Bezahlvorgang sich nicht die Länge zieht, weil ein BVG-Bus und die ganzen Touribusse da im Minutentakt hintereinander daherkommen.

Also, es kam wie es kommen musste. Einer meiner zwei männlichen Fahrgäste hatte es besonders eilig. Noch bevor ich überhaupt drauf achten konnte, öffnete er die Tür und ich hörte einen kurzen, dumpfen Schlag. Ein BVG-Bus fuhr gerade vorbei und ich wusste nicht genau, was eigentlich los war. Der Fahrgast stieg beim zweiten Versuch ungestreift aus und verschwand in der Menge. Ich stieg nun auch aus und untersuchte die Tür. Inzwischen war auch der andere Fahrgast verschwunden. An meiner Tür war nichts, aber auch gar nichts zu sehen. Hatte ich mich getäuscht? Auch der Bus fuhr zu seiner Haltestelle weiter, ohne sich um mich zu kümmern. Hatte der nichts mitgekriegt? Ich musste auf Nummer sicher gehen und stellte mich vor ihn. Jetzt sprintete er aus dem Bus und - tatsächlich, an seiner hinteren Tür waren Schleifspuren zu sehen.
 Er ließ seine Fahrgäste aussteigen und rief die Polizei.

"Das war bei meinem Arbeitsbeginn noch nicht da. Vorschrift, muss ich machen."

Okay, das kann ja dauern. Eine dreiviertel Stunde später sind sie eingetrudelt. Die zwei Polizisten begutachteten den "Schaden", kratzten an der Scheibe die Lackspuren ab und schauten sich gegenseitig an mit einem Blick wie: "Haben die nichts anderes zu tun, als uns wegen solch eines Krams hierher zu holen?" Nach ein paar weiteren Wischereien war auch der Rest des "Unfalls" fast beseitigt und sie bedauertem dem Busfahrer gegenüber, keine Unfallmeldung schreiben zu können, da der Schaden zu gering sei. Aber ein Protokoll wurde angelegt. Für den Fall der Fälle.
Dann konnte ich mich endlich wieder meiner eigentlichen Tätigkeit widmen: Umsatz machen. Und der Umsatz-Gott war mit mir. Ich war noch dabei, meine Papiere wieder zu verstauen, sprachen mich zwei Damen an:

"Sind Sie jetzt endlich frei? Wir warten schon die ganze Zeit. Wir müssten nach Prenzlauer Berg."

Kommentare:

  1. Glück gehabt und ein Fall von: Geduld kann sich lohnen. Kein wirklicher Sachschaden, du hast eine mindestens finanziell gute Tour gehabt und die Damen einen netten Fahrer.

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    1. Eher Glück im Unglück. Darf auch mal sein. ;-)

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    2. Was ich aber nicht verstehe: Wenn bei Dir nichts zu sehen war, wieso bist Du dann noch extra zum Bus gegangen?

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    3. Vielleicht hatte er es doch gemerkt und wollte erst seine Fahrgäste loswerden? Vielleicht hatte ein Passant es mitgekriegt, oder, oder...
      Dann wäre es Fahrerflucht gewesen und bei Fahrerflucht ist in Nullkommanichts die Pappe weg.

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  2. Zuerst einmal wäre zu sagen, daß für solche Fälle ein Fahrzeug mit Schiebetür oder gar keiner Tür auf der linken Seite die bessere Wahl ist. ;-)
    @Aro
    Wahrscheinlich ist Klaus in solchen Situationen ähnlich gestrickt wie ich, denn mir geht eigene Unkorrektheit genauso auf den Zünder wie fremde.

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    1. Ja klar, E-Klasse mit Schiebetür. Ich gebe diese innovative Idee an den Mercedes Konzern weiter.
      Aber bei den Unkorrektheiten sind wir auf einer Linie. Ich bin nun mal eine von Grund auf ehrliche Haut. Dafür bin ich dann von allen Seiten (Polizei und Busfahrer) gelobt worden. Ausnahme: Mein Chef!

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