Samstag, 16. Februar 2013

Homophobie und Immobilienhaie

(Nach reiflicher Überlegung und entgegen meiner Ankündigung habe ich mich entschieden, meine Geschichten weiterhin in der Ich-Form zu veröffentlichen. Der Kompromiss, sie in der 3. Person zu schreiben und nachträglich den Taxifahrer K. durch ich zu ersetzen, ermöglicht mir, die Sache von außen zu betrachten und trotzdem etwas persönlicher zu präsentieren. Und danke für das Feedback!)


Ich hatte einen ganz schlechten Tag erwischt. Ich ärgerte mich immer noch über dieses unverhältnismäßige Polizeiaufgebot mit hunderten Polizisten und einem Hubschrauber, das am Donnerstagmorgen einer Gerichtsvollzieherin den Weg zur Zwangsräumung in eine Wohnung unweit meines Kiezes geebnet hatte. Eine Sitzblockade von solidarischen Demonstranten sollte diese Zwangsräumung einer türkischen Familie, die eine Mietnachzahlung ein paar Tage zu spät überwiesen hatte, verhindern.

Tja, die Immoblienhaie sind immer noch und wieder unterwegs und kriegen vor Gericht halt meistens recht.

So lieber Staat radikalisiert man seine Jugend. Immer schön druff mit dem Pfefferspray.

Und nun hatte ich auch noch diese auswärtigen Fahrgäste an Bord, die nur ständig über Berlin und seine Politik am Mosern waren. Über diesen „Partybürgermeister“ der ja ganz alleine an diesem Flughafendebakel schuld sein sollte. Mein Einwand, dass ein Aufsichtsratsvorsitzender nun mal nicht in Kabelschächte kriecht und überprüft, ob da alles in Ordnung ist, was seine Vorstände ihm erzählen, wurde mit einem:

„Den kann ich halt nicht leiden. Der ist doch sowieso schwul.“ abgetan.

Okay, hiermit hatte sich das Gespräch für mich erledigt. Ich wollte nun meine etwas differenzierteren Ansichten über diese angeblich rot-rote Regierung, die in ihrer damaligen Regierungszeit Berlin nach neoliberalem Muster verschleudert und dabei irgendwelchen (auch dubiosen) Investoren Baugrundstücke und andere Immoblien für ‘nen Appel und ‘n Ei in den Arsch geschoben und sich einen Dreck um steigende Mieten und deren Folgen gekümmert hatte, nicht mehr ausführen.

Wozu auch. Homophoben Menschen kann man nicht mit Argumenten kommen. Wenn das ginge, wären sie es ja nicht.

Kommentare:

  1. Ja, ja, du bist ja bloß selber schwul. Genau wie Deine Freundin! ;-)
    Oh man, bei manchen Fahrgästen verflucht man die Beförderungspflicht echt.

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    1. Falsch. Ich bin lesbisch (stehe auf Frauen) und meine Freundin ist schwul (steht auf Männer). ;-)

      Ich verstehe beim besten Willen nicht, wie eine sexuelle Orientierung heutzutage noch eine Rolle spielen kann. :-(

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  2. Die Wahrheit ist ja noch viel komplizierter, als ihr alle glaubt! Ein Egoist oder noch konkreter ein Narzisst ist ja schlichtweg selbstverliebt. Ist dieser ein Mann, liebt er also einen Mann (nämlich sich) und ist somit schwul. Allerdings ist das in dieser Konstellation eine eindeutige und keine ein-eindeutige Zuordnung, denn nach der genannten Lesart ist zwar jeder Egoist schwul, aber nicht jeder Schwule automatisch ein Egoist. Somit sollte sich also jeder genau überlegen, ob er das Wort "schwul" überhaupt in den Mund nimmt, solange er nicht genau weiß, was es eigentlich bedeutet. ;-)

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