Dienstag, 12. Februar 2013

Anlässlich einer erfolgreichen Schicht

(Kleines Vorwort:
Ich werde ab jetzt nicht mehr über MEINE Erlebnisse beim Taxifahren berichten, sondern über die des Taxifahrers K. Das hat den alleinigen Grund, dass es mir leichter fällt über andere zu schreiben, als über mich selbst. Vielleicht gefällt's ja.)

Eigentlich hatte sich K. ja schon ganz auf Feierabend eingestellt. Sogar die EINE NOCH war ihm geglückt. Eine ganz, ganz kurze zwar, aber das spielte keine Rolle mehr. Der Tag war mehr als zufriedenstellend gelaufen, was auch zu erwarten gewesen war. Der erste Sonntag der Berlinale ist immer ein Tag, an dem man sich keine Gedanken über den Umsatz machen muss. Immer schön in Mitte bleiben, der Rest ergibt sich von alleine. Ist zwar ob der Enge und der Verkehrsdichte etwas nervig, aber man setzt auf ein sicheres Pferd. Und wenn man mal etwas außerhalb gelandet war, auch kein Problem. Die meisten Kollegen fahren ja, wie er auch, rund um den Potsdamer Platz und somit sind Taxis im Rest der Stadt Mangelware. So seine Taktik.

Es hatte morgens schon ganz gut begonnen. Nach einer Rundtour mit Skiurlaubern vom Ostbahnhof aus über Neu-Hohenschönhausen nach Marzahn, ganz in die Nähe des Wohnortes seines Kollegen Sash, den er kurz zuvor an eben diesem Ostbahnhof auf seine Feierabendtour wartend getroffen hatte. Eigentlich wäre diese Tour wie für Sash gemalt gewesen, aber wie das Taxileben halt so spielt… Mit rund 30€ mehr in der Kasse hieß es jetzt für ihn wieder zurück in die Zivilisation. Gemütlich über die autofreie Landsberger Allee zurück zuckelnd. Da, ein Winker am Straßenrand. Ausrufezeichen. Die einzelne männliche Person machte einen vertrauenserweckenden Eindruck und so sammelte er ihn ein. Ein verirrter Berlin-Besucher aus Köln, der diesen Karnevalsrummel in seiner Heimatstadt nicht erträgt und jedes Jahr um diese Narrenzeit nach Berlin entflieht. Er käme vom Feiern und müsse in das Hostel Generator. K. wunderte sich etwas: „Feiern? Hier in der Ecke?“ Nein, nein. Er und seine Kumpels wären in Kreuzberg in einem Club gewesen. Und die Kumpels wären dann mit dem Taxi ins Hostel gefahren. Aber ER hätte sich für einen ganz schlauen gehalten. Er hatte als Anhaltspunkt für das Hostel die Landsberger Allee gehabt und wir seien ja inzwischen in der Welt der Smartphones angelangt. Also kein Problem für ihn.
Als der Busfahrer ihn dann an der Endhaltestelle aus dem Bus warf, musste er also notgedrungen, trotz Smartphone, ganz altmodisch nach einer Taxe winken.

K. ist ja auch im Besitz solch eines Wunderwerks der Technik und ist auch ab und zu in anderen Ländern und Städten unterwegs, aber nie im Leben würde er seinen Heimweg von einer App bestimmen lassen.

K. war zufrieden mit den Anfangstouren seiner Schicht und machte sich ab in die Mitte der Stadt. Zuerst verlief das Ganze etwas schleppend, dann aber gab es eine Tour nach der anderen. Alles keine großen Dinger, aber doch zügig hintereinander weg:

Von der Behrenstraße in die Gitschiner, dort sofort ein fliegender Fahrgastwechsel mit Fahrziel Brunnenstraße, ohne Geschwindigkeitsüberschreitung ein polizeiliches Fernglas passiert und genau dort auf dem Rückweg wieder einen Winker aufgegabelt. Ein völlig schwitzender, aufgelöster Mensch, der K. erzählte, dass er die Polizei gerade noch gesehen hätte und sein Fahrzeug rechts am Straßenrand abstellen konnte. 

„Ich habe nämlich keinen Führerschein mehr.“

Die Frage K.s, warum er sich denn dann hinter das Lenkrad setzen würde, blieb auf dem ganzen Weg in den tiefsten Wedding unbeantwortet.

K. war also am späten Nachmittag zufrieden mit sich und der Welt, freute sich auf den Feierabend, als er in der Köpenicker Straße in Mitte ganz automatisch auf die Bremse trat, da unvermittelt ein Arm in die Höhe gerissen wurde.
Im gleichen Moment bereute er sein Anhalten, aber so weit wird es hier in der Gegend auch nicht sein, dachte er noch.

„Puh, endlich ein Taxi. Nach Haselhorst bitte.“

Puuh, boah, was für eine Tour.

K. war aber eigentlich schon zu lange unterwegs und versuchte dem Fahrgast das mit dem Feierabend und dem Schichtwechsel zu erklären.
„Okay, ich will Ihnen ja den Feierabend nicht versauen. Aber wenigstens bis zum Bahnhof Zoo, oder?“
K. bedankte sich für das Verständnis, da ER ja vergessen hatte die Fackel auszumachen und somit in der Pflicht stand. Aber dann war wirklich Schluss. Er fragte sich nur, warum solche Hammertouren immer dann kommen, wenn man sie nicht brauchen kann. Was würde er nächste Woche für so eine Tour geben.

Kommentare:

  1. Zumindest ungewohnt das Subjekt in der 3. Person, etwas gewöhnungsbedürftig. Mancher Deutschlehrer hätte sicher etwas dagegen einzuwenden. Aber bestimmt haben nicht wenige Literaturnobelpreisträger diese Form ebenfalls bevorzugt ;-)

    Und Haselhorst, das war einfach irgendwie Pech im Glück oder so. Konnte sich der Kollege am Zoo auch noch freuen.

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    1. Es geht mir einfach flüssiger von der Tastatur.
      Vom Bahnhof wollte er mit der S-Bahn weiter.

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    2. Verwirrt aber manchmal, wenn nicht ganz eindeutig ist, wer ER ist. Sie...aehhhhh...ich finde das ICH besser. Solche Werke haben sicher auch schonmal einen Preis bekommen. Also nicht entmutigen lassen.

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    3. Ich bin halt aber nicht der ICH-ICH-ICH Typ.

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  2. Why not als K. oder P. oder T.? Vielleicht hilft diese 3. Person auch dabei, sich von den Absurditäten und Kuriositäten leichter zu distanzieren, die mit diesem Job (und vielen andern Jobs auch) verbunden sind.

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    1. Das ist tatsächlich einer der Gedanken, die dahinter stecken.
      Auch ist es leichter für mich, Charakterzüge, Gedanken u.s.w. die zwar meine sind/waren, dem K. zuzuschreiben.

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    2. Die Freiheit hast du auf jeden Fall, den "K." noch etwas auszugestalten zum zweiten Ich.

      Aber bis Haselhorst mit der S-Bahn - da war er irgendwie gut 30 Jahre zu spät... ;-)

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  3. Ich verstehen das es einfacher ist für dich in der "Taxifahrer K." Version zu schreiben. Für deine Leser wird dieser Blog aber dafür unpersönlicher.

    Wir kennen dich als Klaus der seit vielen Jahren Taxi fährt und uns regelmäßig mit tollen Geschichten aus seinem Taxi Leben begeistert.
    Mit dieser Abgrenzung wird es gefühlt nur noch zu einem Blog auf denen "jemand" Taxigeschichten schreibt die vielleicht sogar nur fiktiv geschrieben wurden.

    "Vielleicht gefällt's ja." - Sorry aber mir persöhnlich nicht.

    Schau dir an wie es Sash von GNIT macht. Ich will nicht sagen er macht alles richtig aber eine gewisse Bindung Blogger <-> Leser scheint doch vorhanden zu sein.

    Nachdenkliche Grüße
    - ein bissher treuer Leser -
    Tobias

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