Sonntag, 20. September 2009

Marathon

Seit 3 1/2 Jahren arbeite ich nun bei meiner jetzigen Taxibude. Und jedes Jahr Ende September gibt es folgenden Dialog zwischen meinem Chef und mir:
"Ey, Chef, nimm mich am Sonntag bitte aus der Liste."
"Okay, ist klar. Warum?"
"Da ist wieder Marathon."
"Aber das ist doch gut zum Taxifahren."
"Na, da kann man doch nicht fahren."
"Viele Fahrer freuen sich auf den Marathon, da muss man so weite Umwege fahren."
"Kann ich mir nicht vorstellen."
"Da muss man halt alles über den Stadtring oder den Tiergartentunnel machen."
"Aber bis man dann in einer der Straßen ist, die man befahren kann, steht man doch elendig lange im Stau."
"Ich sag ja nur, viele freuen sich darauf."
"Für mich ist das nichts."
Um das mal zu verdeutlichen, hier der Streckenverlauf des Berliner Marathons:


Scan vom Flyer, der an jeden Haushalt entlang der Strecke verteilt wurde.

Man sieht ganz deutlich: Einmal mittendrin - es gibt keinen Ausweg.

Die Sonntagsliste an der Ablöse war voll.
Was mich wirklich  interessieren würde: Ist ein Marathon tatsächlich beliebt bei den Taxifahrern?  Ich weiß, hier im Blog kommen in erster Linie Nachtfahrer vorbei. Aber vielleicht lesen doch auch ein paar andere mit (in anderen Städten gibt es ja auch Marathons)?

Gestern zum Feierabend kriegte ich dann noch einen Eindruck, wie man sich da anscheißen schmieren kann. Samstags sind ja schon die Skater dran. Meine Ablöse ist östlich des Kottbusser Damms, mein Wohnort westlich davon. Der Zeitplan lautete: Kottbusser Damm 16:37 - 17:25 Uhr. Ein Überqueren ist nicht möglich.
So hatte ich mir vorgenommen, rechtzeitig Feierabend zu machen, um es noch vor den Skatern nach Hause zu schaffen. Leider  ist mir ein Winker dazwischen gekommen, der um ca. 15:30 Uhr noch nach Moabit wollte, was 'ne Menge Zeit gekostet hat. Zwar hat diese Tour eine schöne runde Umsatzsumme voll gemacht, aber auch meinen Zeitplan vermasselt.
So kam ich ungefähr fünf Minuten zu spät und musste als vierter am Maybachufer eine Stunde lang den Skatern zuschauen, ca. 500 Meter von meinem Feierabend-Kaffee entfernt. Parkplatz war nicht, es ging weder vor noch zurück.

P.S.
In der Berliner Zeitung gibt es eine Rubrik namens Ombudsfrau.
Einen Artikel zum Thema Taxi und Marathon gibt es hier.


Kommentare:

  1. In München gibt's ja auch einen Marathon, den bekomm ich meistens nur nicht mit. ;)
    Aber die sog. Blade Night haben wir in München. 1x im Monat gibt's irgendwelche Routen durch die Stadt für die Skater, nachts. Da muß man am besten die Route kennen, dann kann man sie auch gut umfahren.
    Daß der Marathon Geld bringt, kann ichmir schon vorstellen. Schließlich sind ja auch noch die ganzen Zuschauer da. Aber man muß auch nicht alles mitnehmen beim Taxlern. Ich mach Silvester meistens frei, obwohl es der beste Tag des Jahres ist. ;)

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  2. @Trixi
    "Daß der Marathon Geld bringt, kann ich mir schon vorstellen."
    Genau das bezweifle ich ja. Ich hatte gehofft, auf diesen Post vielleicht so Antworten wie: "Boah, geile Kasse gemacht", oder "eine Stunde im Stau gestanden" zu kriegen. Aber ich bin hier doch wohl von lauter Nachtfahrern umgeben. ;-)

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  3. >>Aber ich bin hier doch wohl von lauter Nachtfahrern umgeben<<
    Jupp, ich kann leider nicht mit Erfahrungen diesbzgl. dienen, aber vielleicht Deine Kollegen von der Tagschicht oder Dein Chef?

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