Dienstag, 18. Dezember 2012

"Alle Menschen werden Brüder"

(Im nachfolgenden Text habe ich einige Fakten verändert, um die Person, um die es geht, nicht identifizierbar zu machen. Ausserdem habe ich sein holpriges Deutsch gleich übersetzt.)

Mein erster Fahrgast am ganz frühen Sonntagmorgen.

Ein Spanier:

"Es leben inzwischen so viele Spanier hier in Berlin, die sich überhaupt keine Mühe geben Deutsch zu lernen. Ich finde das respektlos."

"Mir würde es schon reichen, wenn sich die Spanier mit Englisch etwas mehr Mühe geben würden."

"Nein, nein. Es ist respektlos, in einem Land zu leben und die Sprache dort nicht zu sprechen. Mein Deutsch ist auch nicht gut, aber ich muss halt ganz viel üben."

Stimmt. Muss er noch.

Irgendwann erwähnte er seine Kollegen, die ihn wohlwollend ab und zu auf die Schippe nehmen würden, ob so mancher Fehler, die er in die deutsche Sprache einbaut, was mir die Gelegenheit gab, nach seiner Branche zu fragen.

Er hätte ein Engagement als Bariton bei einem der Berliner Opernhäuser.
Und ganz allgemein sei die Sprache, in der er sich am besten ausdrücken kann, die Musik.
Wir fuhren gerade die menschen- und autofreie Oranienburger Straße entlang. Es war so ungefähr halb sieben, dunkel und etwas regnerisch. Und er gab mir eine Kostprobe SEINER Sprachgewandtheit.

Jeder kennt sie, Schillers Ode an die Freude, vertont von Beethoven in seiner 9. Symphonie. Zufall: Kurz vor der Neuen Synagoge kam er dann bei der Textstelle "Alle Menschen werden Brüder" an. 

Ich gestehe: Ein kleines Rührungstränchen in den Augenwinkeln musste ich mir tatsächlich zerdrücken.

So, und nun nennt mich Weichei oder Heulsuße. Mir doch egal.

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